Articles tagged with: NFL

29 March 2016

One Game Left

Written by Cons #11, Posted in NFL

Wenn der Championship Sunday in der NFL zu Ende geht, steuert die Saison in der besten Football-Liga der Welt auf ihren Höhepunkt zu. Die Fans sehen das wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge: einerseits folgt das größte Spiel des Jahres, andererseits ist nach dem Spiel sieben Monate Pause angesagt. Ein kleiner Blick auf die Jubiläumsausgabe: Super Bowl 50.

 

Für die 50. Ausgabe stellt die National Football League die üblicherweise römische Bezifferung auf eine arabische Zahl um. Vor einem halben Jahrhundert schrieben die Green Bay Packers rund um MVP Quarterback Bart Starr und vor allem dem legendären Coach Vince Lombardi, nach dem die Trophäe benannt wurde, Geschichte, als sie die Kansas City Chiefs schlugen. Damals war freilich vieles anders. Das Spiel hieß weder Superbowl noch war es eine gemeinsame Liga. Außerdem war die Begegnung in Los Angeles nicht ausverkauft (obwohl die Preise vergleichsweise billig waren), wurde dafür gleich von zwei TV-Stationen übertragen, weil beide Ligen (AFL und NFL) ihre eigenen TV-Verträge hatten - die Gametapes wurde jedoch in der Folge zum Teil überspielt, da Bänder teuer waren und das Spiel als nicht sehr wichtig angesehen wurde!

 

Inzwischen hat sich viel verändert. Die Tickets sind teuer geworden. Die Aufzeichnungen werden wohl nicht mehr überspielt. Die NFL hat sich in eine Milliardenliga entwickelt. Und der Super Bowl ist eine Institution, der längst nicht nur mehr Football-Fanatiker anzieht.

Gleich geblieben ist hingegen das Spiel. Zwei Teams kämpfen um den ultimativen Preis. Heuer versuchen sich die Carolina Panthers zum ersten Mal zum „World Champion“ zu krönen. Dabei steht ihnen mit den Denver Broncos ein zweifacher Superbowl-Sieger gegenüber.

 

Als Favorit, wenn auch nur leicht, werden die Panthers gesehen. Die Mannschaft aus Charlotte hat sowohl im Grunddurchgang als auch in den Playoffs überzeugt, eine Zeit lang stand sogar eine Perfect Season zur Diskussion. Coach „Riverboat“ Ron Riviera hat ein Team ohne große Schwächen um sich gescharrt. QB Cam Newton sticht als Superstar heraus und spielt eine MVP-Saison, wobei vor allem die Read-Option-Offense in ihrer Variabilität die Gegner vor Probleme stellt und das Run-Game ausgezeichnet ist. Die Defense ist grundsolide - gute Defensive Line, bärenstarke Linebacker (Luke Kuechly und Thomas Davis als Top-Duo) und eine nicht leicht zu überwindende Secondary mit dem Shutdown Cornerback Josh Norman.

 

Doch das Team von den Rocky Mountains war mit der Underdog-Rolle schon gegen die Patriots ganz zufrieden. Die Defense der Broncos erinnert nicht nur an die starken Verteidigungen vergangener Zeiten (wie die Steelers oder Ravens), sondern ist auch statistisch ganz vorne. Sowohl Passrush als auch Secondary gehören zum besten der Liga und auch gegen den Lauf gibt’s kaum was zu holen. Vor allem Defense Coordinator Wade Philipps hat es bislang immer wieder geschafft einen perfekten Gameplan auf die Beine zu stellen. Da kann man auch schon mal einen Peyton Manning in bestenfalls durchschnittlicher Form „mitschleppen“, wobei die Offense nicht gerade schwach besetzt ist. Die Receiver D. Thomas und E. Sanders sind Topleute, Tight End Daniels einer der besseren der Liga und Running Back CJ Anderson hat immer wieder ein explosives Play in den Schuhen. Da kann es durchaus schon genügen, wenn Manning einfach nur keine Fehler, sprich Interceptions, produziert.

 

Gespielt wird im neuen Levi’s Stadium der San Franciso 49ers in Santa Clara, Kalifornien. Kick-Off ist um 0:40 MEZ am 8.2.2016, live im Free-TV auf Puls4 bzw. Sat1 (jeweils mit langen Previews davor).

06 November 2015

Mid-Season NFL Recap

Posted in NFL

Während die FLA in den Winterschlaf abtaucht, wird es in der NFL gerade so richtig spannend. Die ersten Wochen sind vorbei und langsam aber sicher können sich die Fans ausmalen, ob ihr Team auch im Jänner noch spielen wird. Neben den üblichen Verdächtigen gibt es auch Division Leader mit denen so nicht zu rechnen war…


 

Titelverteidiger New England empfängt in einem Frühspiel Washington. Während die Patriots durchaus an der Spitze erwartet wurden (vielleicht nicht mit 7-0 und mit mehr Gegenwehr der Divisionsgegner), war kaum damit zu rechnen, dass die Hauptstädter mit einem Sieg auf Platz 1 vorstoßen könnten; schon gar nicht mit einer aktuellen Bilanz von 3-4. Dies verdanken die Redskins vor allem dem Umstand der taumelnden NFC East, wo die beiden Favoriten Eagles und Cowboys straucheln. Bei ersteren liefert im Gegensatz zu den Erwartungen nur die Defense eine starke Leistung, bei letzteren mischte der Verletzungsteufel kräftig mit und verbannte mit Romo und D. Bryant gleich beide Starspieler aus der Offense für mehrere Spiele an die Sideline. Derzeit sitzen auch die Giants mit 4-4 nicht wirklich sicher im Sattel.

 

Topteam in der NFC sind die ungeschlagenen Panthers, die eine Wahnsinnssaison spielen; Cam Newton und Luke Kuechly halten den Laden in Carolina mehr als nur zusammen. Die Packers sind einen Sieg zurück und machen auf beiden Seiten des Balls einen starken Eindruck - trotz des Ausfalls von Jordy Nelson. Mit den Falcons (2 Niederlagen nach 6-0 Start) und Cardinals (x-ter Frühling von Carson Palmer) stehen weitere Teams in der Poleposition für die Playoffs. Da brauchen die Seahawks, immerhin Superbowl-Teilnehmer, langsam einen Lauf um überhaupt in die Postseason zu kommen, zumal auch Vikings und Rams hier noch ein Wörtchen mitreden wollen. Bei den traditionsreichen 49ers fliegt gerade alles auseinander, nachdem man wohl endlich eingesehen hat, dass mit Athletik allein bei einem QB langfristig kein Staat zu machen ist. In der Great Lake Region schaut’s kaum besser aus - Detroit und Chicago können bestenfalls als Non-factor bezeichnet werden. Der Rest schwimmt aktuell so irgendwo im Niemandsland, aber mit etwas Glück und ein paar Siegen in Folge könnte sich auch für die Saints noch einmal ein letztes Aufbäumen mit Brees ausgehen. Dessen jüngerer Kollege und Top-Draft-Pick Jameis Winston dürfte mittlerweile so halbwegs in Tampa angekommen sein, nach anfänglichen Schwierigkeiten sind die Bucs mit 3-4 ganz ordentlich dabei.

 

Die AFC andererseits ist derzeit die bessere Conference und beherbergt neben den ungeschlagenen Patriots auch noch die 8-0 Bengals (primär aufgrund der Offense) und die 7-0 Broncos (hauptsächlich über ihre Defense). Dahinter haben nur mehr die Jets und Raiders eine positive Bilanz (4-3). Die Topteams sind zwar sehr stark, was sich aber in der AFC South tut, ist schon fast peinlich. Die Colts sind wohl jetzt schon DIE Entäuschung des Jahres, auch wenn man sich wohl als Divisionssieger für die Playoffs qualifizieren wird. Die Titans mit Mariota schauen zwar nicht so schlecht wie 1-6 aus, zahlen aber Lehrgeld. Ebenso noch immer die „London-Franchise“ Jaguars, die sich auch nicht wirklich weiterentwickeln. Hard Knocks Teilnehmer Housten ist nach dem QB-Karussell unter Ferner liefen einzuordnen. Positive Erscheinung der Saison sind die Oakland Raiders, welche mit Derek Carr und Amari Cooper ein Tandem gefunden haben, welches sie wieder zu alten Höhen bringen könnte - es ist noch ein weiter Weg, aber die Richtung stimmt (Playoffs möglich). Chiefs und Chargers spielen unter den eigenen Möglichkeiten, vor allem wenn man bedenkt, dass Philipp Rivers (neben Tom Brady) auf dem Weg ist, den Single Season Passing Yards Rekord zu brechen. Die in den letzten Jahren immer starke AFC North hat etwas abgebaut (besonders die Ravens), hier schauen neben den erwähnten Bengals nur die Steelers noch halbwegs gut aus (ohne Bell wird’s aber schwer). Miami wurde zuletzt von den Pats wieder auf den Boden zurückgeholt und die Offense der Bills verbreitet nicht wirklich Angst und Schrecken, sodass die Jets unter Todd Bowles sich durchaus auf ein Wild Card Game einstellen können.

 

Die bisherigen Storylines der Saison sind etwa die vielen noch immer ungeschlagenen Teams (ob sich die 1972er Dolphins schon Sorgen machen?), Peyton not being Peyton, souverän wirkende Bengals und die schon angesprochene Implosion der Colts. Die Woche für Woche immer mehr werdenden Verletzungen wurden in den Medien noch nicht wirklich aufgegriffen, obwohl es durchaus Top Spieler betrifft.

Nunmehr geht es in die entscheidende Phase, wenn ab sofort die Siege aus bleiben, dann gibt es kaum mehr Hoffnung.

28 April 2015

Who is on the clock?

Written by Cons #11, Posted in NFL

Der NFL Draft 2015 steht vor der Türe. Für ausgewiesene und selbsternannte Experten bereits seit Wochen Grund für Analysen und Kommentare ohne Ende - und auch die Berichterstattung währenddessen und danach wird sich kaum in Grenzen halten. Immerhin hat es die erste Runde des Drafts seit einiger Zeit ins Hauptabendprogramm in den USA geschafft - das Interesse ist riesig. Grund genug auch hier einmal ein paar Worte zu verlieren.


 


Eins vorweg: eine detaillierte Draft- oder Prospectanalyse wird es im Folgenden nicht geben, vielmehr eine allgemeine Darstellung der grundsätzlichen Optionen.
Die Frage in der Überschrift ist ab Freitag 2:00 Uhr (MEZ) die Entscheidende. Ein Team ist immer "on the clock", also auf gut deutsch: ein Team ist an der Reihe einen für den Draft gemeldeten (College-)Spieler auszuwählen - je nach Runde (insgesamt 7 Runden) hat man unterschiedlich viel Zeit, zwischen 5 und 10 Minuten.

Dass man mit einem guten Draft so einiges erreichen kann, zeigt sich laufend. Aber wer wirklich auf Dauer oben mit dabei sein will, braucht natürlich jährlich einen guten Output. Dabei könnten die Herangehensweisen nicht verschiedener sein. Dazu muss man wissen, dass man eigene Draft Picks (sowohl aktuelle als auch die der nächsten Jahre) sowie Spieler gegen Draft Picks handeln kann (auch während man dran ist), wobei naturgemäß ein Erstrundenpick mehr wert ist als ein Zweitrundenpick usw. Dadurch haben manche Teams mehr Wahlrechte als andere.

Durchaus beliebt (v.a. in Runde 1) ist die Taktik "Best Player Available", also die Wahl des besten Spielers, der noch vorhanden ist, unabhängig von seiner Position. Dies ist jedoch nur empfehlenswert, wenn man gerade keine großen Baustellen im Kader hat, die es zu schließen gilt. Auch ganz gern wird hochgetraded um einen Spieler unbedingt zu bekommen (Beispiel: Team X wählt an der 10. Stelle, will aber einen Spieler, der sehr wahrscheinlich schon auf den Plätzen 1-3 ausgewählt wird; Team X wird dann mit einem der vorderen Teams wegen eines Tauschs verhandeln). Dies birgt die Gefahr, dass es teuer wird, da man zumeist mehrer seiner Picks abgegeben wird müssen und sich so (vlt. sogar auf Jahre hinaus) beschneidet. Wenn der Wunschspieler einschlägt, toll; wenn nicht, dann gute Nacht.

Der amtierende Superbowl Champion fährt eine entgegengesetzte Strategie. Während viele versuchen in der Reihenfolge nach oben zu kommen, traden die Patriots ganz gern mal hinunter und geben beispielsweise ihren Zweitrundenpick für einen Drittrunden- plus Sechstrundenpick her. Die Idee dahinter ist, dass man ohnehin nie weiß, wie sich ein Spieler letztlich wirklich entwickelt, aber wenn man mehr Spieler wählt, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass einer von ihnen "was wird".

Was beim Draft auch immer mitspielt, ist das Vereinsumfeld. Wie alt ist das Team? Wie sind die wichtigen Verträge dotiert? Welche Verträge laufen aus? Was ist die Erwartung im Umfeld? Da kann man als Manager schon mal die Nerven verlieren.
Und mal ehrlich, allein die Informationsflut zu den Draft-Prospects (=zu wählende Spieler) ist immens. Mit den Scouting Reports kann man Lagerräume ohne Ende füllen - es wird alles erhoben, angefangen bei den Körpermaßen (inkl. Handfläche!) über die Leistung am College (sowohl auf als auch neben dem Feld) bis zu den Ergebnissen beim Combine (ein geballter Leistungstest rund ein Monat vor dem Draft) und Pro-Day (da dürfen die Spieler an ihrem College unter der Anleitung von Pro-Coaches noch einmal vor versammelter Menge zeigen, was sie "spieltechnisch" vorweisen können).
Umso verwunderlicher ist es da, dass dann ausgewählte Spieler nicht das halten, was man sich von ihnen versprochen hat.

Der diesjährige Draft ist spannend wie lange nicht. Während es in den letzten Jahren oft im Vorhinein relativ klar war, wer die ersten 10-15 Picks sein werden, ist es dieses Mal nicht ganz so leicht.
Die Tampa Bay Buccaneers haben den #1 Overall Pick und mit diesem werden sie - da sind sich fast alle nunmehr einig - Florida State QB Jameis Winston wählen. In einer schwachen QB-Klasse sind eher dessen Eskapaden abseits des Feldes ein Warnsignal, sportlich dürfte er zu Recht ganz oben mit dabei sein.
Aber schon danach beginnt das Rätselraten. Bei den Titans ist sich niemand wirklich sicher, was sie tun werden - QB Marcus Mariota wird immer wieder genannt, aber Tennessee hat noch andere Löcher zu stopfen, sodass mehrere Positionen in Frage kommen; einzig downtraden wird man wohl nicht.

Insgesamt ist es dem Vernehmen nach grundsätzlich - bis auf die Safeties - eine gute Defense-Klasse (insbesondere Pass Rusher), auch die Receiver sind ganz gut besetzt. Die Running Backs fallen seit Jahren in der Gunst, früher sichere Top 10 Picks, jetzt kann es sein, dass in Runde 1 keiner mehr gewählt wird - dieses Jahr mit Todd Gurley und Melvin Gordon auch nur Zwei mit First-Round-Potential. Bei den Offense Linern sind durchaus brauchbare Prospects dabei, Tight Ends sind Fehlanzeige.

Wer auch immer wen zu welchem Zeitpunkt auswählt - es wird sich auch diesmal erst im Nachhinein während der Saison weisen, welcher General Manager ein glückliches Händchen beim Draft gehabt hat.

09 February 2015

Die NFL heute

Written by Cons #11, Posted in NFL

Die Playoff-Einteilung basierend auf den einzelnen Divisionen mag in der NFL aus aktuellem Anlass (NFC South, anyone?) wieder Grund für Diskussionen sein – oder besser: weniger bei der NFL selbst, als bei Kritikern und Experten. Ein kleiner Überblick, wie die National Football League aktuell aussieht und wer die derzeitigen Big Player sind.

 

Zum Zeitpunkt des Mergers anno 1967 gab es 24 Teams, welche 1969 auf 26 erweitert wurden. Weitere Expansions kamen 1976 (Seattle Seahawks, Tampa Bay Buccaneers), 1995 (Carolina Panthers, Jacksonville Jaguars), 1996 (Baltimore Ravens, welche davor die Cleveland Browns waren, jedoch deren Geschichte den 1999 „wiederbelebten“ Browns überlassen musste) und 2002 (Houston Texans), sodass sich dadurch aktuell 32 Franchises in der NFL ergeben.

Diese wurden im Zuge der letzten Erweiterung in zwei Conferences (AFC und NFC) auf je vier Divisions (North, South, East, West) à vier Teams aufgeteilt. Der Spielplan ist eine relativ komplizierte Angelegenheit. Insgesamt werden pro Saison 16 Spiele in 17 aufeinanderfolgenden Wochen ausgetragen (eine Woche ist jeweils spielfrei, die sogenannten Bye-Week jedes Teams). Fix sind die sechs Spiele gegen die Divisionskonkurrenten (Heim und Auswärts). Weiters wird gegen eine jährlich wechselnde Division der anderen Conference gespielt (4 Spiele). In der eigenen Conference spielt man ebenfalls abwechselnd gegen die Teams der anderen Division (4 Spiele). Die restlichen zwei Spiele ergeben sich dann gegen die beiden Teams aus den anderen beiden Divisions der gleichen Conference, welche die gleiche Platzierung im Vorjahr hatten. Diese unterschiedlich schweren Spielpläne (sogenannter Strength of Schedule) sollen ein wenig einen Ausgleich unter den Teams herstellen. Eine ähnliche Maßnahme ist der Draft oder das Salary Cap – dazu gleich mehr.


 

Die beiden Conference-Logos mit je vier Sternen, welche je eine Division symbolisieren (eingetragene Markenzeichen der (c) NFL)

Es gibt zwar keinen Abstieg, der Champion wird aber in einer K.O.-Runde ausgespielt. In die Playoffs schaffen es jährlich sechs Teams aus jeder Conference: die vier Division-Sieger plus zwei Wild Card Teams mit dem besten Sieg-Niederlagen-Verhältnis. Diese Teams werden von 1-6 gereiht, wobei Nummer eins und zwei in der ersten Runde ein Freilos haben (4v5 und 3v6) und das bessere Team immer Heimvorteil genießt. AFC-Sieger und NFC-Sieger treffen sich dann im Mega-Event jeden ersten Sonntag im Februar: die Superbowl (dieses Jahr Ausgabe 49, also SB XLIX).

Am anderen Ende der Nahrungskette freuen sich die schlechtesten Teams auf den Draft. Anders als in der europäischen Sportlandschaft unterhalten die Profiteams in Nordamerika keine Nachwuchsteams, sondern holen sich die besten Nachwuchsspieler jedes Jahr von den Colleges im Draftsystem. Das schlechteste Team hat die erste Wahl auf einen Spieler aus den Spielern, die zum Draft zugelassen sind. In der NFL gibt es sieben Runden, in welchen die Teams an die Reihe kommen, wobei durch das Tauschen von diesen Draft Picks (auch künftigen) nicht zwangsläufig jedes Team in jeder Runde auch wirklich zum Zug kommt. Wer im Draft nicht fündig wird, muss über die Free Agency, also am freien Spielermarkt zuschlagen (hier geht es de facto ganz normal wie am sonst bekannten Transfermarkt zu). Die große Einschränkung bildet allerdings das sogenannte Salary Cap, eine Gehaltsobergrenze. Um kleine Teams konkurrenzfähig zu halten dürfen Spieler nicht mit Geld zugeschüttet werden, sondern hat jedes Team nur einen bestimmten (unterschiedlich hohen) Betrag zur Verfügung, der sich auch laufend ändert – dies ist eine eigene Wissenschaft und führt dazu, dass ein Spieler, der laut Medien einen 120 Millionen Dollar Vertrag abschließt, nicht unbedingt (oder wahrscheinlich nicht) 120 Millionen Dollar verdienen wird.

 

Die Planung zwischen Draft und Free Agency bzw. Salaray Cap entscheidet bei einem Team meist über Erfolg und Misserfolg. Während manche Teams es jahrelang schaffen oben dabei zu sein, scheint es andere zu geben, die in der Wahrnehmung ewig am unteren Ende schwimmen.

Big Player seit einer gefühlten Ewigkeit sind die New England Patriots. Seit Robert Kraft als Owner den Klub 1994 übernommen hat, ging es steil bergauf. Der Superbowl-Einzug 1996 war nur ein Zwischenstopp. Die Dynasty nach der Jahrtausendwende holte drei Titel in vier Jahren (Saisonen 2001,03,04) und seit rund 15 Jahren zählt das Team aus Boston de facto jedes Jahr zum erweiterten Kreis der Titelkanditaten, was durch rund ein Dutzend Division-Siege und etlichen Rekorden untermauert wird. Hinter dem Erfolg steht das Coach-QB Tandem Bill Bellichik und Tom Brady, die nach den Anfangserfolgen zwischendurch in zwei Anläufen zum Titel (2007/2011) im Finale scheiterten, jedoch letzte Woche im Superbowl XLIX mit dem vierten Titel endgültig in den Football Olymp aufgestiegen sind.

Ebenfalls zumeist oben zu finden sind die Green Bay Packers, eine der traditionsreichsten Franchises (Stichwort: Vince Lombardi oder Lambeau-Field), die als einzige nicht einer Person ("Owner") oder einer ausgewählten Personengruppe gehört, sondern tatsächlich einer Vielzahl an Shareholdern gehört.

Auch die Pittsburgh Steelers und Indianapolis Colts waren in den letzten Jahren fast immer im Jänner noch dabei. Aktuell darf man natürlich auf die Seattle Seahawks (zwei Superbowl-Teilnahmen in Folge, bei einem Sieg) nicht vergessen, die nach einigen erfolgloseren Spielzeiten seit rund drei Jahren wieder ein echter Contender sind – stellt sich naturgemäß die Frage, wie lange man dieses Topniveau aufrecht erhalten wird können.

 

In den vergangenen Jahrzehnten gab es zudem diverse Zeiträume, die von einzelnen Teams dominiert wurden. Die 1970er gehörten zu Beginn etwa den Miami Dolphins (einzig ungeschlagene Saison 1970), danach de facto den Steelers (aktueller Rekordmeister mit 6 Titel); Mitte der 1990er konnte die Dallas Cowboys kaum einer schlagen (derzeit 5 Titel). In den 1980er und etwas darüber hinaus teilten sich die San Francisco 49ers und die Washington Redskins 5 bzw. 3 Titel auf. Die Buffalo Bills schafften es zwischen 1991-94 viermal in Folge das Endspiel zu verlieren. Dazwischen gab es natürlich immer wieder Teams, die es für ein Jahr an die Spitze schafften. Bezeichnend für die Leistungsdichte steht die Tatsache, dass seit zehn Jahren kein Team seinen Titel verteidigen konnte.

 

Es wird auch künftig genug Abwechslung am Platz an der Sonne geben, jedoch wird es auch immer die geben, die tendenziell eher oben mit dabei sind…

01 February 2015

Die Geschichte des Profifootballs

Written by Cons #11, Posted in Football, NFL

Gemeinhin wird mit der NFL der Footballprofiverband seit dem großen Merger 1966 (= Zusammenschluss zwischen der National Football League und der American Football League) gemeint. Doch schon davor wurde natürlich bereits eifrig gegen Bezahlung gewerkt. Ein Rückblick auf die ersten Versuche, den Wendepunkt 1958, den Aufstieg samt kommerziellen Erfolg und einen gewissen „Pudge“ Heffelfinger, mit dem 1892 alles begann.

Als William Walter Heffelfinger, ein Yale-Absolvent, am 12.11.1892 neben einem Spesenersatz von USD 25,- auch noch USD 500,- für sein Auflaufen für die Allegheny Athletic Association gegen den Pittsburgh Athletic Club bekam, war dies niemandem bekannt – erst rund 50 Jahre später wurde dieser Umstand publik. Entscheidend war sein Einsatz allemal – er erzielte den einzigen und damit spielentscheidenden Touchdown des Spiels, der damals den 4:0 Endstand bedeutete.


 William Heffelfinger - Bild (c) Wikipedia

  

In den nächsten rund 20 Jahren folgten immer wieder solche Handgelder an College-Stars. Dies einerseits natürlich aufgrund des sportlichen Mehrwerts (der Profisport war damals alles andere als Professionell und sportlich nicht wirklich konkurrenzfähig) und andererseits auch um die Popularität der College-Spieler zu nutzen. 1897 gab es zwar mit der Latrobe Athletic Association das erste Team, in dem alle Spieler bezahlt wurden, ein ernst zu nehmender Professionalismus war damit jedoch nicht verbunden.

Eine 1902 gegründete National Football League (kein direkter Vorläufer der heutigen Organisation) war bestenfalls ein Strohfeuer. Die Ohio League war ab 1903 ein loser Zusammenschluss von in Ohio basierten Clubs, die eine mehr oder weniger geregelte Meisterschaft spielten, und wurde 1920 in der American Professional Football Association eine organisierte Liga, welche wiederum 1922 in den heutigen Namen National Football League umbenannt wurde. Unter den ursprünglichen 14 Teams war mit den Decatur Stanleys ein Team, das bis heute als Chicago Bears spielt. Nur vier Teams beendeten die erste Saison, viele mussten aus Geldmangel aussteigen. So folgte schon im zweiten Jahr eine Erweiterung um einige Teams, unter anderem die Green Bay Packers, die damit das Team mit dem längst-verwendeten Teamnamen sind. Einen netten Einblick in die damaligen Verhältnisse bietet die Komödie „Leatherheads“ (mit George Clooney), wenngleich sie historisch natürlich nicht ganz akkurat ist.

Filmplakat Leatherheads (c) Wikipedia (Trailer)

 

Erst in den späten 1930er Jahren begann sich die Liga zu konsolidieren (bis dahin waren 51 Teams de facto in Konkurs gegangen) und eine Profiliga nicht nur auf dem Papier darzustellen – die Einführung eines Championship Games machte sich bezahlt. Auch wenn Heisman Gewinner Jay Berwinger 1936 im ersten Draft als erster Pick aufgrund unterschiedlicher Gehaltsvorstellungen noch darauf verzichtete für Chicago (und in der Folge jemals professionell) zu spielen, welche die Verhandlungsrechte von den ursprünglich wählenden Philadelphia Eagles bekamen.

Nach dem zweiten Weltkrieg nahm die Liga so richtig Fahrt auf. Zunächst wurden von den L.A. Rams zum ersten Mal zwei schwarze Spieler unter Vertrag genommen, kurz darauf folgte ein regelmäßiger TV-Vertrag. 1956 organisierten sich schließlich auch die Spieler in der NFL Players Association. Keine Sekunde zu früh, denn das NFL Championship Game 1958 wird allgemein als Wachablöse von College zum Profi-Football betrachtet. 45 Millionen Menschen sahen im TV (obwohl der Großraum New York City wegen einer NFL Regel der Übertragung nicht beiwohnen durfte) wie die Baltimore Colts die NY Giants nach Overtime 23-17 schlugen (bis heute die einzige OT in einem Finalspiel). Beeindruckend war insbesondere der „erste 2-Minute-Drill“, angeführt von Colts-QB Johnny Unitas, welcher den Sieg brachte – dies faszinierte die Zuschauer und der Aufstieg nahm seinen Lauf.

Die im Folgejahr als Konkurrenz gegründete American Football League sprang auf den Zug auf und die acht Gründungsteams enttäuschten nicht, sondern überzeugten mit spektakulärem Offensivfootball. Dies führte letztlich zum sogenannten Merger, bei dem beide Ligen in einer aufgingen und die heutige Struktur der NFL mit National und American Football Conference festgelegt wurde. Dabei wurden nicht nur die Teams zusammengeführt, von der AFL wurden auch andere Punkte übernommen (z.B. der 14 Spiele Grunddurchgang oder Spielernamen auf den Jerseys). Nach der Regular Season 1966 spielten die Gewinner beider (noch separaten) Ligen im AFL-NFL World Championship Game den Sieger aus (erstmals im Jänner 1967) – dieses Spiel wurde bei der dritten Austragung in Super Bowl umbenannt. Ab 1970 kam es dann zu einer gemeinsamen Liga mit übergreifendem Spielplan.

Allgemein war die NFL (NFC) sportlich besser eingeschätzt und gewann mit den Green Bay Packers auch ein Vertreter dieser Teams die ersten beiden Super Bowls. Spätestens mit dem Gewinn von Super Bowl III durch die (AFL) New York Jets (Broadway Joe Namath garantierte vorab damals den Gewinn) war die sportliche Gleichwertigkeit belegt – 11 der nächsten 15 Spiele entschied die AFC für sich, bevor eine 13-jährige Durststrecke folgte.

 

 Joe Namath, 1965 (c) Wikipedia Joe Namath, 1965 (c) Wikipedia

 

Der Merger führte letztlich auch dazu, dass sich die teilnehmenden Teams stabilisierten und es zu keiner Fluktuation mehr kam. Einzig wurden immer einmal wieder Franchises von einer in eine andere Stadt verlegt (Hintergrund sind hier zumeist finanzielle Anreize, v.a. in Form von neuen Stadien). Beispiele hierfür sind etwa die Baltimore Colts, die nunmehr in Indianapolis zu Hause sind, oder die Oakland Raiders, die zwischendurch in Los Angeles spielten, aktuell aber wieder in Oakland sind, wobei es jetzt erneut Pläne für einen Umzug nach L.A. gibt.

Ein weiterer Grund für Umstrukturierungen sind Team-Neugründungen, sogenannte Expansions. Aber dazu mehr im zweiten Teil, wo es um die aktuelle Divisionsstruktur und die aktuellen Topteams der NFL geht.

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