Articles tagged with: Football

29 March 2016

One Game Left

Written by Cons #11, Posted in NFL

Wenn der Championship Sunday in der NFL zu Ende geht, steuert die Saison in der besten Football-Liga der Welt auf ihren Höhepunkt zu. Die Fans sehen das wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge: einerseits folgt das größte Spiel des Jahres, andererseits ist nach dem Spiel sieben Monate Pause angesagt. Ein kleiner Blick auf die Jubiläumsausgabe: Super Bowl 50.

 

Für die 50. Ausgabe stellt die National Football League die üblicherweise römische Bezifferung auf eine arabische Zahl um. Vor einem halben Jahrhundert schrieben die Green Bay Packers rund um MVP Quarterback Bart Starr und vor allem dem legendären Coach Vince Lombardi, nach dem die Trophäe benannt wurde, Geschichte, als sie die Kansas City Chiefs schlugen. Damals war freilich vieles anders. Das Spiel hieß weder Superbowl noch war es eine gemeinsame Liga. Außerdem war die Begegnung in Los Angeles nicht ausverkauft (obwohl die Preise vergleichsweise billig waren), wurde dafür gleich von zwei TV-Stationen übertragen, weil beide Ligen (AFL und NFL) ihre eigenen TV-Verträge hatten - die Gametapes wurde jedoch in der Folge zum Teil überspielt, da Bänder teuer waren und das Spiel als nicht sehr wichtig angesehen wurde!

 

Inzwischen hat sich viel verändert. Die Tickets sind teuer geworden. Die Aufzeichnungen werden wohl nicht mehr überspielt. Die NFL hat sich in eine Milliardenliga entwickelt. Und der Super Bowl ist eine Institution, der längst nicht nur mehr Football-Fanatiker anzieht.

Gleich geblieben ist hingegen das Spiel. Zwei Teams kämpfen um den ultimativen Preis. Heuer versuchen sich die Carolina Panthers zum ersten Mal zum „World Champion“ zu krönen. Dabei steht ihnen mit den Denver Broncos ein zweifacher Superbowl-Sieger gegenüber.

 

Als Favorit, wenn auch nur leicht, werden die Panthers gesehen. Die Mannschaft aus Charlotte hat sowohl im Grunddurchgang als auch in den Playoffs überzeugt, eine Zeit lang stand sogar eine Perfect Season zur Diskussion. Coach „Riverboat“ Ron Riviera hat ein Team ohne große Schwächen um sich gescharrt. QB Cam Newton sticht als Superstar heraus und spielt eine MVP-Saison, wobei vor allem die Read-Option-Offense in ihrer Variabilität die Gegner vor Probleme stellt und das Run-Game ausgezeichnet ist. Die Defense ist grundsolide - gute Defensive Line, bärenstarke Linebacker (Luke Kuechly und Thomas Davis als Top-Duo) und eine nicht leicht zu überwindende Secondary mit dem Shutdown Cornerback Josh Norman.

 

Doch das Team von den Rocky Mountains war mit der Underdog-Rolle schon gegen die Patriots ganz zufrieden. Die Defense der Broncos erinnert nicht nur an die starken Verteidigungen vergangener Zeiten (wie die Steelers oder Ravens), sondern ist auch statistisch ganz vorne. Sowohl Passrush als auch Secondary gehören zum besten der Liga und auch gegen den Lauf gibt’s kaum was zu holen. Vor allem Defense Coordinator Wade Philipps hat es bislang immer wieder geschafft einen perfekten Gameplan auf die Beine zu stellen. Da kann man auch schon mal einen Peyton Manning in bestenfalls durchschnittlicher Form „mitschleppen“, wobei die Offense nicht gerade schwach besetzt ist. Die Receiver D. Thomas und E. Sanders sind Topleute, Tight End Daniels einer der besseren der Liga und Running Back CJ Anderson hat immer wieder ein explosives Play in den Schuhen. Da kann es durchaus schon genügen, wenn Manning einfach nur keine Fehler, sprich Interceptions, produziert.

 

Gespielt wird im neuen Levi’s Stadium der San Franciso 49ers in Santa Clara, Kalifornien. Kick-Off ist um 0:40 MEZ am 8.2.2016, live im Free-TV auf Puls4 bzw. Sat1 (jeweils mit langen Previews davor).

22 November 2015

Mid-Season College Football Recap 2015

Written by Cons #11, Posted in College Football

Der Champion ist geschlagen. Das vergangene Wochenende sah den regierenden Champion Ohio State stolpern. Die Buckeyes, die bis dato ohnehin nur auf Platz 3 im Playoff Ranking geführt wurden, mussten nach 23 Spielen in der Big Ten Conference wieder einmal als Verlierer vom Platz gehen - und damit wohl die Hoffnung auf die Titelverteidigung begraben…


 

Die Michigan State Spartans haben nun dank dieses Sieges (übrigens ohne ihren Starting QB Connor Cook) alle Chancen auf den Conference Titel der Big Ten, sollten sie ihre restlichen Spiele gewinnen. Im Finale geht es wohl gegen die noch ungeschlagenen Iowa Hawkeyes, bei denen keiner so richtig weiß wie sie einzuordnen sind, da ihr Schedule nicht gerade aussagekräftig ist, sie aber dennoch 11 Siege eingefahren haben. Am kommenden Samstag steigt DAS Rivaly Game im College Football: die Michigan Wolverines empfangen in Ann Arbour vor über 108.000 Zuschauern die Ohio State Buckeyes. 

 

Die Geschichte in dieser Saison schreiben jedoch die Clemson Tigers (wie der vorletzte National Champion Florida State auch in der Atlantic Coast Conference zu Hause). Noch ungeschlagen und auf Platz 1 gerankt wird man im Conference Finale gegen North Carolina keine Probleme haben und im Playoff-Halbfinale gesetzt sein. Die Tigers dominieren ihre Gegner in diesem Jahr mehr oder weniger nach Belieben; dies dank smartem QB-Play von Deshaun Watson und einer sehr soliden Defense. Auch wenn Clemson aktuell #1 ist, so wirklich wetten auf den National Title will offenbar niemand…

 

Im Gegensatz zum Dauercontender Alabama. Die Crimson Tide haben früh in der Saison gegen Ole Miss verloren, aber mittlerweile gelten sie als schwer zu schlagendes Team und werden dementsprechend vom Playoff-Komitee auf Platz 2 geführt. Die Run-Defense gilt als kaum überwindbar, was es natürlich dann auch im Passing Game einfacher macht. So reicht es im Normalfall, wenn der limitierte QB Jake Coker seinen Stiefel mit wenig Fehlern runterspielt und den Ball an RB Derrick Henry gibt, der inzwischen als einer der Frontrunner um die begehrte Heisman Trophy gilt. Neben Clemson scheint Alabama im Playoff gesetzt zu sein.

 

Wer sich die beiden anderen Halbfinalplätze holt, ist mehr als offen und wird bereits heiß diskutiert.  Zuletzt #3 Ohio State hat ja verloren und wird einige Plätze verlieren. #4 Notre Dame (einzige Niederlage bislang gegen Clemson) ist gerade mal knapp an einer Niederlage gegen die unterdurchschnittlichen Boston College Eagles vorbeigeschrammt, was jetzt auch kein tolles Argument ist. Die bisher an #5 gerankten Hawkeyes könnten von diesen Ausrutschern profitieren, wenn sie ungeschlagen bleiben und den Big Ten Titel nach Iowa holen. Gleiches gilt für die Spartans. Die Big 12 hat seit diesem Wochenende kein ungeschlagenes Team mehr anzubieten. Da man letztes Jahr schon mit einer Playoffnominierung leer ausging, ist die Hoffnung dieses Jahr überschaubar, obwohl die Oklahoma Sooners durchaus den Namen dafür haben und auch der starke Spielplan (wenn’s bei der einen Niederlage bleibt) ein gutes Argument darstellt. Aus der Pac-12 hat nur noch Stanford Chancen, obwohl diese bereits zwei Niederlagen zu Buche stehen haben - dazu bedarf es im letzten Saisonspiel allerdings eines Qualitätssieges gegen die Fightin Irish. Dass Florida im SEC Finale Alabama schlägt und noch auf den Playoffzug aufspringt glauben wohl nur mehr Hardecore Gators-Fans.

 

Gespannt darf man sich auf die Veröffentlichung des neuen Rankings im Laufe der Woche freuen. #1 (Clemson) und #2 (Alabama) dürften unverändert bleiben, dahinter wird sich einiges tun im Vergleich zur letzten Woche.

 

Die laufende Saison zeigt wieder ganz deutlich, was den College Football ausmacht: jedes Spiel zählt. An jedem Wochenende kann etwas passieren, dass große Auswirkungen auf das eigene Team, aber auch viele andere Unis hat.

06 November 2015

Mid-Season NFL Recap

Posted in NFL

Während die FLA in den Winterschlaf abtaucht, wird es in der NFL gerade so richtig spannend. Die ersten Wochen sind vorbei und langsam aber sicher können sich die Fans ausmalen, ob ihr Team auch im Jänner noch spielen wird. Neben den üblichen Verdächtigen gibt es auch Division Leader mit denen so nicht zu rechnen war…


 

Titelverteidiger New England empfängt in einem Frühspiel Washington. Während die Patriots durchaus an der Spitze erwartet wurden (vielleicht nicht mit 7-0 und mit mehr Gegenwehr der Divisionsgegner), war kaum damit zu rechnen, dass die Hauptstädter mit einem Sieg auf Platz 1 vorstoßen könnten; schon gar nicht mit einer aktuellen Bilanz von 3-4. Dies verdanken die Redskins vor allem dem Umstand der taumelnden NFC East, wo die beiden Favoriten Eagles und Cowboys straucheln. Bei ersteren liefert im Gegensatz zu den Erwartungen nur die Defense eine starke Leistung, bei letzteren mischte der Verletzungsteufel kräftig mit und verbannte mit Romo und D. Bryant gleich beide Starspieler aus der Offense für mehrere Spiele an die Sideline. Derzeit sitzen auch die Giants mit 4-4 nicht wirklich sicher im Sattel.

 

Topteam in der NFC sind die ungeschlagenen Panthers, die eine Wahnsinnssaison spielen; Cam Newton und Luke Kuechly halten den Laden in Carolina mehr als nur zusammen. Die Packers sind einen Sieg zurück und machen auf beiden Seiten des Balls einen starken Eindruck - trotz des Ausfalls von Jordy Nelson. Mit den Falcons (2 Niederlagen nach 6-0 Start) und Cardinals (x-ter Frühling von Carson Palmer) stehen weitere Teams in der Poleposition für die Playoffs. Da brauchen die Seahawks, immerhin Superbowl-Teilnehmer, langsam einen Lauf um überhaupt in die Postseason zu kommen, zumal auch Vikings und Rams hier noch ein Wörtchen mitreden wollen. Bei den traditionsreichen 49ers fliegt gerade alles auseinander, nachdem man wohl endlich eingesehen hat, dass mit Athletik allein bei einem QB langfristig kein Staat zu machen ist. In der Great Lake Region schaut’s kaum besser aus - Detroit und Chicago können bestenfalls als Non-factor bezeichnet werden. Der Rest schwimmt aktuell so irgendwo im Niemandsland, aber mit etwas Glück und ein paar Siegen in Folge könnte sich auch für die Saints noch einmal ein letztes Aufbäumen mit Brees ausgehen. Dessen jüngerer Kollege und Top-Draft-Pick Jameis Winston dürfte mittlerweile so halbwegs in Tampa angekommen sein, nach anfänglichen Schwierigkeiten sind die Bucs mit 3-4 ganz ordentlich dabei.

 

Die AFC andererseits ist derzeit die bessere Conference und beherbergt neben den ungeschlagenen Patriots auch noch die 8-0 Bengals (primär aufgrund der Offense) und die 7-0 Broncos (hauptsächlich über ihre Defense). Dahinter haben nur mehr die Jets und Raiders eine positive Bilanz (4-3). Die Topteams sind zwar sehr stark, was sich aber in der AFC South tut, ist schon fast peinlich. Die Colts sind wohl jetzt schon DIE Entäuschung des Jahres, auch wenn man sich wohl als Divisionssieger für die Playoffs qualifizieren wird. Die Titans mit Mariota schauen zwar nicht so schlecht wie 1-6 aus, zahlen aber Lehrgeld. Ebenso noch immer die „London-Franchise“ Jaguars, die sich auch nicht wirklich weiterentwickeln. Hard Knocks Teilnehmer Housten ist nach dem QB-Karussell unter Ferner liefen einzuordnen. Positive Erscheinung der Saison sind die Oakland Raiders, welche mit Derek Carr und Amari Cooper ein Tandem gefunden haben, welches sie wieder zu alten Höhen bringen könnte - es ist noch ein weiter Weg, aber die Richtung stimmt (Playoffs möglich). Chiefs und Chargers spielen unter den eigenen Möglichkeiten, vor allem wenn man bedenkt, dass Philipp Rivers (neben Tom Brady) auf dem Weg ist, den Single Season Passing Yards Rekord zu brechen. Die in den letzten Jahren immer starke AFC North hat etwas abgebaut (besonders die Ravens), hier schauen neben den erwähnten Bengals nur die Steelers noch halbwegs gut aus (ohne Bell wird’s aber schwer). Miami wurde zuletzt von den Pats wieder auf den Boden zurückgeholt und die Offense der Bills verbreitet nicht wirklich Angst und Schrecken, sodass die Jets unter Todd Bowles sich durchaus auf ein Wild Card Game einstellen können.

 

Die bisherigen Storylines der Saison sind etwa die vielen noch immer ungeschlagenen Teams (ob sich die 1972er Dolphins schon Sorgen machen?), Peyton not being Peyton, souverän wirkende Bengals und die schon angesprochene Implosion der Colts. Die Woche für Woche immer mehr werdenden Verletzungen wurden in den Medien noch nicht wirklich aufgegriffen, obwohl es durchaus Top Spieler betrifft.

Nunmehr geht es in die entscheidende Phase, wenn ab sofort die Siege aus bleiben, dann gibt es kaum mehr Hoffnung.

28 April 2015

Who is on the clock?

Written by Cons #11, Posted in NFL

Der NFL Draft 2015 steht vor der Türe. Für ausgewiesene und selbsternannte Experten bereits seit Wochen Grund für Analysen und Kommentare ohne Ende - und auch die Berichterstattung währenddessen und danach wird sich kaum in Grenzen halten. Immerhin hat es die erste Runde des Drafts seit einiger Zeit ins Hauptabendprogramm in den USA geschafft - das Interesse ist riesig. Grund genug auch hier einmal ein paar Worte zu verlieren.


 


Eins vorweg: eine detaillierte Draft- oder Prospectanalyse wird es im Folgenden nicht geben, vielmehr eine allgemeine Darstellung der grundsätzlichen Optionen.
Die Frage in der Überschrift ist ab Freitag 2:00 Uhr (MEZ) die Entscheidende. Ein Team ist immer "on the clock", also auf gut deutsch: ein Team ist an der Reihe einen für den Draft gemeldeten (College-)Spieler auszuwählen - je nach Runde (insgesamt 7 Runden) hat man unterschiedlich viel Zeit, zwischen 5 und 10 Minuten.

Dass man mit einem guten Draft so einiges erreichen kann, zeigt sich laufend. Aber wer wirklich auf Dauer oben mit dabei sein will, braucht natürlich jährlich einen guten Output. Dabei könnten die Herangehensweisen nicht verschiedener sein. Dazu muss man wissen, dass man eigene Draft Picks (sowohl aktuelle als auch die der nächsten Jahre) sowie Spieler gegen Draft Picks handeln kann (auch während man dran ist), wobei naturgemäß ein Erstrundenpick mehr wert ist als ein Zweitrundenpick usw. Dadurch haben manche Teams mehr Wahlrechte als andere.

Durchaus beliebt (v.a. in Runde 1) ist die Taktik "Best Player Available", also die Wahl des besten Spielers, der noch vorhanden ist, unabhängig von seiner Position. Dies ist jedoch nur empfehlenswert, wenn man gerade keine großen Baustellen im Kader hat, die es zu schließen gilt. Auch ganz gern wird hochgetraded um einen Spieler unbedingt zu bekommen (Beispiel: Team X wählt an der 10. Stelle, will aber einen Spieler, der sehr wahrscheinlich schon auf den Plätzen 1-3 ausgewählt wird; Team X wird dann mit einem der vorderen Teams wegen eines Tauschs verhandeln). Dies birgt die Gefahr, dass es teuer wird, da man zumeist mehrer seiner Picks abgegeben wird müssen und sich so (vlt. sogar auf Jahre hinaus) beschneidet. Wenn der Wunschspieler einschlägt, toll; wenn nicht, dann gute Nacht.

Der amtierende Superbowl Champion fährt eine entgegengesetzte Strategie. Während viele versuchen in der Reihenfolge nach oben zu kommen, traden die Patriots ganz gern mal hinunter und geben beispielsweise ihren Zweitrundenpick für einen Drittrunden- plus Sechstrundenpick her. Die Idee dahinter ist, dass man ohnehin nie weiß, wie sich ein Spieler letztlich wirklich entwickelt, aber wenn man mehr Spieler wählt, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass einer von ihnen "was wird".

Was beim Draft auch immer mitspielt, ist das Vereinsumfeld. Wie alt ist das Team? Wie sind die wichtigen Verträge dotiert? Welche Verträge laufen aus? Was ist die Erwartung im Umfeld? Da kann man als Manager schon mal die Nerven verlieren.
Und mal ehrlich, allein die Informationsflut zu den Draft-Prospects (=zu wählende Spieler) ist immens. Mit den Scouting Reports kann man Lagerräume ohne Ende füllen - es wird alles erhoben, angefangen bei den Körpermaßen (inkl. Handfläche!) über die Leistung am College (sowohl auf als auch neben dem Feld) bis zu den Ergebnissen beim Combine (ein geballter Leistungstest rund ein Monat vor dem Draft) und Pro-Day (da dürfen die Spieler an ihrem College unter der Anleitung von Pro-Coaches noch einmal vor versammelter Menge zeigen, was sie "spieltechnisch" vorweisen können).
Umso verwunderlicher ist es da, dass dann ausgewählte Spieler nicht das halten, was man sich von ihnen versprochen hat.

Der diesjährige Draft ist spannend wie lange nicht. Während es in den letzten Jahren oft im Vorhinein relativ klar war, wer die ersten 10-15 Picks sein werden, ist es dieses Mal nicht ganz so leicht.
Die Tampa Bay Buccaneers haben den #1 Overall Pick und mit diesem werden sie - da sind sich fast alle nunmehr einig - Florida State QB Jameis Winston wählen. In einer schwachen QB-Klasse sind eher dessen Eskapaden abseits des Feldes ein Warnsignal, sportlich dürfte er zu Recht ganz oben mit dabei sein.
Aber schon danach beginnt das Rätselraten. Bei den Titans ist sich niemand wirklich sicher, was sie tun werden - QB Marcus Mariota wird immer wieder genannt, aber Tennessee hat noch andere Löcher zu stopfen, sodass mehrere Positionen in Frage kommen; einzig downtraden wird man wohl nicht.

Insgesamt ist es dem Vernehmen nach grundsätzlich - bis auf die Safeties - eine gute Defense-Klasse (insbesondere Pass Rusher), auch die Receiver sind ganz gut besetzt. Die Running Backs fallen seit Jahren in der Gunst, früher sichere Top 10 Picks, jetzt kann es sein, dass in Runde 1 keiner mehr gewählt wird - dieses Jahr mit Todd Gurley und Melvin Gordon auch nur Zwei mit First-Round-Potential. Bei den Offense Linern sind durchaus brauchbare Prospects dabei, Tight Ends sind Fehlanzeige.

Wer auch immer wen zu welchem Zeitpunkt auswählt - es wird sich auch diesmal erst im Nachhinein während der Saison weisen, welcher General Manager ein glückliches Händchen beim Draft gehabt hat.

05 April 2015

AFL Breakdown Week 2/2015

Written by Cons #11, Posted in AFL

AFL Breakdown Week 2/2015

Zwei Wochen nach dem Ligaauftakt waren die Swarco Raiders Tirol wieder in Wien zu Gast, um am zweiten Spieltag bei den Danube Dragons anzutreten. Auch diesmal war ein Ausgang des Spiels nicht absehbar, da man weder bei Grün noch bei Schwarz wusste, wie gut man aufgestellt war. Die Begegnung in Stadlau entwickelte sich etwas überraschend. Im Vorfeld sprach Dragons Headcoach Zivko noch von einem Spiel wie Rapid gegen Barcelona, es wurde dann doch eher etwas Richtung Rapid gegen Stadlau...



Die Vorzeichen für dieses Spiel sprachen keine klare Sprache. Aufgrund des Battle4Tirol Spiels am nächsten Tag reisten die Tiroler nicht mit der stärksten Besetzung an, die Wiener standen de facto mit einer vollkommen neuen Offense am Feld. So kamen auf beiden Seiten vorwiegend junge Spieler zum Zug und das war im ersten Viertel zu sehen - zu nervös wurde agiert und es lief kaum etwas zusammen. Die Beschreibung "Not gegen Elend" drängte sich nach einigen 3&outs quasi auf. Der leichten Favoritenrolle entsprechend gingen die Raiders dann doch schließlich in Führung, allerdings reichte es nur zu einem Field Goal. Drops und schnell gestoppte Läufe kennzeichneten den ersten Abschnitt, in dem sich sonst nicht viel tat. Die Completionrate sollte sich aber nicht mehr erholen und lag bei beiden Teams am Ende unter 50%.


Dabei machte Kyle Callahan einen besseren Eindruck auf der Spielmacherposition der Freibeuter als Shelton (etatmäßiger Starter), der geschont wurde. Er wirkte athletisch auf der Höhe und auch die Würfe waren passabel, zumal er mit einem Receivercorps agierte, welches kaum Erfahrung auf diesem Level mitbrachte. Demgegenüber waren bei seinem Gegenüber Alex Good (bekannt von seinen überzeugenden Auftritten für die Giants 2013) doch noch Anlaufschwierigkeiten spürbar - die Chemie zu den Passempfängern war zu Beginn stark verbesserungsfähig. Immerhin fehlten mit Thomas Haider und Georg Pongratz die beiden Topreceiver der Vorsaison. Auch in der Defense standen durchwegs unerfahrende Spieler am Feld, die bis auf AFL-Topinsidern wohl kaum jemandem bekannt waren. Auf Dragonsseite lag es daher vor allem an Nationalteam-LB Ramon Azim und Dauerbrenner Schahin Gholami die entsprechenden Akzente zu setzen.

Beim Personel und den Formations gab es keine wesentlichen Neuerungen zur Vorwoche. Die 4-Receiver Standard-Sets dominierten. Bei den Tirolern sah man aufgrund der Triple-Option immer wieder auch mal zwei Running Backs; die Dragons warfen gerne auch mal einen Tight End (11 Personel) ins Rennen, ebenso wurde mit empty Backfield agiert. Letzteres spielte durchaus in die Karten von Good, der hierdurch öfter einmal Platz für designte und spontane QB-Runs vorfand. Ende des ersten Viertels drehte sich dann das Momentum deutlich. Nach einem Raiders-Drop in der Endzone (wäre ein 10:0 gewesen), bekamen die Drachen den Ball. Und obwohl sie zu einem Punt gezwungen werden konnten, nahm das Pech für die Freibeuter seinen Lauf - der Punt sprang unglücklich, berührte einen Tiroler am Rücken und wurden von den Dragons in der Redzone recovert. Das zweite Viertel gehörte dann ganz den Wienern, die sogleich die Führung übernahmen. Angeführt von einem spielfreudigen Alex Good, der einen starken Eindruck hinterließ, fingen die jungen Receiver (rund um den früheren DB Matthias Rebl und Philipp Haun) nun die Bälle und RB Florian Pos fand immer wieder Lücken in der gegnerischen Front Seven. Selbst als die Raiders kurzzeitig auf 9:14 (XP geblockt) herankamen, düsten die Dragons binnen einer Minute zu einem weiteren Tochdown über das Feld und lagen zum Pausenpfiff 21:9 vorne.

Wie schon gegen die Vikings brachte der Kick-Off Return zu Beginn von Halbzeit zwei die Raiders in Scoring-Position und der folgende Besuch der Endzone ließ die Gäste noch einmal hoffen. Doch der erste Drive entpuppte sich eher als Strohfeuer, denn fortan waren es erneut die Gastgeber, die das Kommande auf beiden Seiten des Balles übernahmen und dabei mehr Vorteile aus den Fehlern auf Tiroler Seite zogen als umgekehrt. Und diese Fehler spielten sich vorwiegend in den Special Teams ab. Während es die Raiders nicht schafften, von guter Feldposition aufgrund vier out-of-bounds Kick-Offs (wohl Absicht um Returns zu vermeiden) zu profitieren, nutzten die Wiener erneut einen muffed punt der Raiders für relativ leichte sechs Punkte. Alex Good zeichnete für fünf der sechs grünen TDs verantwortlich (3 Pass, 2 Rush) und verzeichnete weder eine Interception noch ein Fumble (trotz der immer wieder unkontrollierten Snaps in alle Richtungen).


Alex Good hatte beim Post-Game Interview nach dem Debut Grund zu Jubeln

Erneut auffällig war die Tiroler Unterlegenheit an der Anspiellinie. Die D-Line brachte kaum Druck auf den QB und auch in der Laufverteidigung gingen wiederholt Löcher auf. Demgegenüber konnte auch die O-Line nicht überzeugen und Shanahan musste öfter improvisieren als im Lieb war. Für den früheren Munich Cowboy RB Gärtner gingen kaum Löcher auf und auch Simon Muigg fand kaum Platz für längere Läufe. Spätestens zu Beginn des vierten Viertels war der Dragonssieg dann mehr oder weniger in trockenen Tüchern und ein Aufbäumen der Raiders nicht erkennbar, sodass der Heimsieg am Ende zwar in dieser Deutlichkeit überraschte, aber aufgrund des Spiels durchaus verdient war.

Spannend dürfen nun die ersten Auftritte der Giants und Panthers erwartet werden, die ja vor der Saison auf Höhe der Dragons eingeschätzt wurden. Für die Drachen ein wichtiger Sieg in eine vom Umbau gekennezeichnete Saison. Für die Raiders hoffentlich ein Warnschuss zur rechten Zeit vor den Bug - bei 0:2 ist klarerweise noch nichts verloren, wenn man aber nicht langsam Siege einfahrt, wird es möglicherweise mit einer Playoffteilnahme noch eng. Und ein Playoff ohne Raiders ist einerseits dem Schreiber nicht in Erinnerung und anderseits keinesfalls im Sinne des österreichischen Footballs.

24 March 2015

AFL Breakdown Week 1/2015

Written by Cons #11, Posted in AFL

AFL Breakdown Week 1/2015

Am Sonntag standen sich zur Saisoneröffnung der Austrian Football League mit dem Titelverteidiger Vienna Vikings (erstmals nach vielen Jahren wieder ohne Sponsor im Namen) und den Swarco Raiders als ersten Herausforderer auch gleich die beiden Topfavoriten für das Spieljahr 2015 gegenüber. Rund 2.200 Besucher wollten sich das Spiel trotz widriger Verhältnisse nicht entgehen lassen – so viele wie gefühlt schon lange nicht mehr. Und für den passionierten Football Fan gab es im Vorfeld auch einige interessante Fragen um die Begegnung – einige wurden beantwortet, einige blieben offen und ein paar wird hier nachgegangen.


 

Das Ergebnis – soviel vorweg – dürfte bekannt sein: ein 26:21 Sieg für die Vikings, die im Vorfeld keinen Import verpflichteten (wohl aufgrund des Absprungs des Hauptsponsors). Der Endstand klingt spannend, das Spiel war es nicht wirklich – in Wahrheit hätte es auch früh im vierten Viertel schon deutlich entschieden sein können.

Frage Nummer eins galt natürlich dem neuen Starting Quarterback der Wiener Alexander Thury, der das Zepter vom zurückgetretenen Christoph Gross übernahm. Wer die Spiele im letzten Jahr sah, als Thury für den verletzten Gross einspringen musste, hatte schon so eine Idee, dass das Ganze gut funktionieren könnte, zumal mit einer gesamten Vorbereitung als designierter Starter im Gepäck.  Er spulte sein Programm ab und gab einen soliden Gamemanager mit ansprechenden Würfen. Die beiden Interceptions in der ersten Halbzeit hatten keine Konsequenzen und waren die Folge von zu viel Fokus auf den Receiver („stare down“). Die zweite Baustelle, die es auf Wiener Seite zu schließen galt, waren die Abgänge in der Defense. Und auch das fiel nicht großartig auf. Die Front Seven agierte wie gewohnt mit viel Druck und ließ ein Tiroler Laufspiel nicht wirklich aufkommen; in der Secondary gab es maximal noch ein paar Abstimmungsschwierigkeiten, aber keine Löcher.

Viel mehr Abstimmungsprobleme gab es da schon auf Seiten der Raiders – oder zumindest hoffentlich NUR Abstimmungsproblem. Von den mehreren Imports darf in der AFL nur einer aufs Feld – wenig überraschend war dies QB Sean Shelton, der Europaerfahrung aus Frankreich und Finnland mitbrachte. Noch war allerdings nicht viel von den Spielmacherqualitäten zu sehen: mehrere überworfene Bälle und relativ schnell gestoppte Runs. Andi Hofbauer fehlte klarerweise im Backfield an allen Ecken. Der zweite Drive brachte eine Interception, gefolgt von einem Fumble (nach langer Reception) im ersten Play des dritten Drives. Nach einem Turnover on Downs kam es schließlich noch zu einem zweiten Fumble bei einem QB-RB-Handoff. So war man im ersten Durchgang also von Punkten eher weit entfernt.

Während die Wikinger in der ersten Halbzeit ganze 44 Plays liefen, kamen die Freibeuter gerade einmal auf 24 Spielzüge (jeweils ohne Special Teams). Anders als die Raiders, die versuchten ein ausgeglichenes Run-Pass-Verhältnis aufzubauen, waren die Vikings zunächst sehr passlastig unterwegs (29 Pässe zu 14 Runs) – und warum nicht, der Luftangriff funktionierte ein ums andere Mal (die grds. gute Tiroler Secondary u.a. mit dem deutschen NT Spieler Enrico Martini hatte fast immer das Nachsehen). Einzig bei den Personel-Packages waren sich die Kontrahenten einig: bei mehr als 80% der Plays stand das 10-Personel auf dem Feld (also ein Running Back und vier Receiver). Dies verwundert aber nicht, da dies das schon in den letzten Jahren bevorzugte und vom College bekannte Personal ist. Hin und wieder wurde ein Tight End hinzugenommen, was aber auf das Playcalling keinen Einfluss hatte. 

Dass es am Ende raus noch halbwegs spannend wurde, lag einerseits daran, dass Violett in Halbzeit eins die Chancen nicht nutzte. Im zweiten Drive der Saison bei 0:0 kann man natürlich schon mal die sicheren drei Punkte nehmen, jedoch hätte sich beim vierten Versuch an der 2yd Linie durchaus auch ein Ausspielen angeboten – der Trend in der NFL zeigt ganz klar, dass man letztlich ganz erfolgreich nur mit aggressiven Playcalling wird. Sei’s drum, es folgte ein weiteres Field Goal und schließlich noch ein Touchdown zur 13:0 Halbzeitführung. Anderseits kam die Spannung auf, da die Raiders nach der Pause doch noch etwas zu Stande brachten, aber vor allem deshalb, weil die Vikings es Mitte des vierten Viertels nicht schafften mit einer 2-Possession-Führung im Rücken einen zeitfressenden Drive hinzulegen und sich anschließend noch mit unnötigen Defensestrafen (wie z.B. Late Hit) das Leben schwer machten.

Doch auch diese Geschenke wurden von den Tirolern nicht angenommen. Sie ließen auch ihr oft zitiertes Kämpferherz vermissen, auf der Sideline waren laufend hängende Köpfe zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass der teure Coaching Staff das Team wieder aufbauen kann und für die nächsten Aufgaben rüstet. Sich in der BIG 6 und Battle4Tirol nur auf die anderen Importspieler zu verlassen, könnte zu wenig sein und sich in der AFL jedenfalls rächen. Vor allem die Offense Line wirkte doch öfter instabil – die Wiener Kollegen andererseits gaben ihrem QB über das Spiel hinweg immer genug Zeit um die Pässe anzubringen. Hilfreich ist natürlich auch, dass das violette Receivercorps mit Postel, Bubik und Thaller die beste Gruppe Passempfänger der Liga zu sein scheint, während bei den Raiders vieles auf Mr. „Do-it-all“ Clemens Erlsbacher hinausläuft (WR, Returner, Kicker, Punter),  der das vermeintliche Second Half Comeback mit einem starken Kick-Off-Return und anschließendem TD-Catch zu Beginn der zweiten Hälfte einleutete. 

Alles in allem dürfte der Weg zum Titel auch dieses Jahr nur über die Vikings führen. Die Spannung in der Saison wird sich aber auf zwei Halbfinalspiele und die Austrian Bowl beschränken, denn mit vier Playoffplätzen bei fünf Teams hat der Grunddurchgang eine eher untergeordnete sportliche Bedeutung.

09 February 2015

Die NFL heute

Written by Cons #11, Posted in NFL

Die Playoff-Einteilung basierend auf den einzelnen Divisionen mag in der NFL aus aktuellem Anlass (NFC South, anyone?) wieder Grund für Diskussionen sein – oder besser: weniger bei der NFL selbst, als bei Kritikern und Experten. Ein kleiner Überblick, wie die National Football League aktuell aussieht und wer die derzeitigen Big Player sind.

 

Zum Zeitpunkt des Mergers anno 1967 gab es 24 Teams, welche 1969 auf 26 erweitert wurden. Weitere Expansions kamen 1976 (Seattle Seahawks, Tampa Bay Buccaneers), 1995 (Carolina Panthers, Jacksonville Jaguars), 1996 (Baltimore Ravens, welche davor die Cleveland Browns waren, jedoch deren Geschichte den 1999 „wiederbelebten“ Browns überlassen musste) und 2002 (Houston Texans), sodass sich dadurch aktuell 32 Franchises in der NFL ergeben.

Diese wurden im Zuge der letzten Erweiterung in zwei Conferences (AFC und NFC) auf je vier Divisions (North, South, East, West) à vier Teams aufgeteilt. Der Spielplan ist eine relativ komplizierte Angelegenheit. Insgesamt werden pro Saison 16 Spiele in 17 aufeinanderfolgenden Wochen ausgetragen (eine Woche ist jeweils spielfrei, die sogenannten Bye-Week jedes Teams). Fix sind die sechs Spiele gegen die Divisionskonkurrenten (Heim und Auswärts). Weiters wird gegen eine jährlich wechselnde Division der anderen Conference gespielt (4 Spiele). In der eigenen Conference spielt man ebenfalls abwechselnd gegen die Teams der anderen Division (4 Spiele). Die restlichen zwei Spiele ergeben sich dann gegen die beiden Teams aus den anderen beiden Divisions der gleichen Conference, welche die gleiche Platzierung im Vorjahr hatten. Diese unterschiedlich schweren Spielpläne (sogenannter Strength of Schedule) sollen ein wenig einen Ausgleich unter den Teams herstellen. Eine ähnliche Maßnahme ist der Draft oder das Salary Cap – dazu gleich mehr.


 

Die beiden Conference-Logos mit je vier Sternen, welche je eine Division symbolisieren (eingetragene Markenzeichen der (c) NFL)

Es gibt zwar keinen Abstieg, der Champion wird aber in einer K.O.-Runde ausgespielt. In die Playoffs schaffen es jährlich sechs Teams aus jeder Conference: die vier Division-Sieger plus zwei Wild Card Teams mit dem besten Sieg-Niederlagen-Verhältnis. Diese Teams werden von 1-6 gereiht, wobei Nummer eins und zwei in der ersten Runde ein Freilos haben (4v5 und 3v6) und das bessere Team immer Heimvorteil genießt. AFC-Sieger und NFC-Sieger treffen sich dann im Mega-Event jeden ersten Sonntag im Februar: die Superbowl (dieses Jahr Ausgabe 49, also SB XLIX).

Am anderen Ende der Nahrungskette freuen sich die schlechtesten Teams auf den Draft. Anders als in der europäischen Sportlandschaft unterhalten die Profiteams in Nordamerika keine Nachwuchsteams, sondern holen sich die besten Nachwuchsspieler jedes Jahr von den Colleges im Draftsystem. Das schlechteste Team hat die erste Wahl auf einen Spieler aus den Spielern, die zum Draft zugelassen sind. In der NFL gibt es sieben Runden, in welchen die Teams an die Reihe kommen, wobei durch das Tauschen von diesen Draft Picks (auch künftigen) nicht zwangsläufig jedes Team in jeder Runde auch wirklich zum Zug kommt. Wer im Draft nicht fündig wird, muss über die Free Agency, also am freien Spielermarkt zuschlagen (hier geht es de facto ganz normal wie am sonst bekannten Transfermarkt zu). Die große Einschränkung bildet allerdings das sogenannte Salary Cap, eine Gehaltsobergrenze. Um kleine Teams konkurrenzfähig zu halten dürfen Spieler nicht mit Geld zugeschüttet werden, sondern hat jedes Team nur einen bestimmten (unterschiedlich hohen) Betrag zur Verfügung, der sich auch laufend ändert – dies ist eine eigene Wissenschaft und führt dazu, dass ein Spieler, der laut Medien einen 120 Millionen Dollar Vertrag abschließt, nicht unbedingt (oder wahrscheinlich nicht) 120 Millionen Dollar verdienen wird.

 

Die Planung zwischen Draft und Free Agency bzw. Salaray Cap entscheidet bei einem Team meist über Erfolg und Misserfolg. Während manche Teams es jahrelang schaffen oben dabei zu sein, scheint es andere zu geben, die in der Wahrnehmung ewig am unteren Ende schwimmen.

Big Player seit einer gefühlten Ewigkeit sind die New England Patriots. Seit Robert Kraft als Owner den Klub 1994 übernommen hat, ging es steil bergauf. Der Superbowl-Einzug 1996 war nur ein Zwischenstopp. Die Dynasty nach der Jahrtausendwende holte drei Titel in vier Jahren (Saisonen 2001,03,04) und seit rund 15 Jahren zählt das Team aus Boston de facto jedes Jahr zum erweiterten Kreis der Titelkanditaten, was durch rund ein Dutzend Division-Siege und etlichen Rekorden untermauert wird. Hinter dem Erfolg steht das Coach-QB Tandem Bill Bellichik und Tom Brady, die nach den Anfangserfolgen zwischendurch in zwei Anläufen zum Titel (2007/2011) im Finale scheiterten, jedoch letzte Woche im Superbowl XLIX mit dem vierten Titel endgültig in den Football Olymp aufgestiegen sind.

Ebenfalls zumeist oben zu finden sind die Green Bay Packers, eine der traditionsreichsten Franchises (Stichwort: Vince Lombardi oder Lambeau-Field), die als einzige nicht einer Person ("Owner") oder einer ausgewählten Personengruppe gehört, sondern tatsächlich einer Vielzahl an Shareholdern gehört.

Auch die Pittsburgh Steelers und Indianapolis Colts waren in den letzten Jahren fast immer im Jänner noch dabei. Aktuell darf man natürlich auf die Seattle Seahawks (zwei Superbowl-Teilnahmen in Folge, bei einem Sieg) nicht vergessen, die nach einigen erfolgloseren Spielzeiten seit rund drei Jahren wieder ein echter Contender sind – stellt sich naturgemäß die Frage, wie lange man dieses Topniveau aufrecht erhalten wird können.

 

In den vergangenen Jahrzehnten gab es zudem diverse Zeiträume, die von einzelnen Teams dominiert wurden. Die 1970er gehörten zu Beginn etwa den Miami Dolphins (einzig ungeschlagene Saison 1970), danach de facto den Steelers (aktueller Rekordmeister mit 6 Titel); Mitte der 1990er konnte die Dallas Cowboys kaum einer schlagen (derzeit 5 Titel). In den 1980er und etwas darüber hinaus teilten sich die San Francisco 49ers und die Washington Redskins 5 bzw. 3 Titel auf. Die Buffalo Bills schafften es zwischen 1991-94 viermal in Folge das Endspiel zu verlieren. Dazwischen gab es natürlich immer wieder Teams, die es für ein Jahr an die Spitze schafften. Bezeichnend für die Leistungsdichte steht die Tatsache, dass seit zehn Jahren kein Team seinen Titel verteidigen konnte.

 

Es wird auch künftig genug Abwechslung am Platz an der Sonne geben, jedoch wird es auch immer die geben, die tendenziell eher oben mit dabei sind…

01 February 2015

Die Geschichte des Profifootballs

Written by Cons #11, Posted in Football, NFL

Gemeinhin wird mit der NFL der Footballprofiverband seit dem großen Merger 1966 (= Zusammenschluss zwischen der National Football League und der American Football League) gemeint. Doch schon davor wurde natürlich bereits eifrig gegen Bezahlung gewerkt. Ein Rückblick auf die ersten Versuche, den Wendepunkt 1958, den Aufstieg samt kommerziellen Erfolg und einen gewissen „Pudge“ Heffelfinger, mit dem 1892 alles begann.

Als William Walter Heffelfinger, ein Yale-Absolvent, am 12.11.1892 neben einem Spesenersatz von USD 25,- auch noch USD 500,- für sein Auflaufen für die Allegheny Athletic Association gegen den Pittsburgh Athletic Club bekam, war dies niemandem bekannt – erst rund 50 Jahre später wurde dieser Umstand publik. Entscheidend war sein Einsatz allemal – er erzielte den einzigen und damit spielentscheidenden Touchdown des Spiels, der damals den 4:0 Endstand bedeutete.


 William Heffelfinger - Bild (c) Wikipedia

  

In den nächsten rund 20 Jahren folgten immer wieder solche Handgelder an College-Stars. Dies einerseits natürlich aufgrund des sportlichen Mehrwerts (der Profisport war damals alles andere als Professionell und sportlich nicht wirklich konkurrenzfähig) und andererseits auch um die Popularität der College-Spieler zu nutzen. 1897 gab es zwar mit der Latrobe Athletic Association das erste Team, in dem alle Spieler bezahlt wurden, ein ernst zu nehmender Professionalismus war damit jedoch nicht verbunden.

Eine 1902 gegründete National Football League (kein direkter Vorläufer der heutigen Organisation) war bestenfalls ein Strohfeuer. Die Ohio League war ab 1903 ein loser Zusammenschluss von in Ohio basierten Clubs, die eine mehr oder weniger geregelte Meisterschaft spielten, und wurde 1920 in der American Professional Football Association eine organisierte Liga, welche wiederum 1922 in den heutigen Namen National Football League umbenannt wurde. Unter den ursprünglichen 14 Teams war mit den Decatur Stanleys ein Team, das bis heute als Chicago Bears spielt. Nur vier Teams beendeten die erste Saison, viele mussten aus Geldmangel aussteigen. So folgte schon im zweiten Jahr eine Erweiterung um einige Teams, unter anderem die Green Bay Packers, die damit das Team mit dem längst-verwendeten Teamnamen sind. Einen netten Einblick in die damaligen Verhältnisse bietet die Komödie „Leatherheads“ (mit George Clooney), wenngleich sie historisch natürlich nicht ganz akkurat ist.

Filmplakat Leatherheads (c) Wikipedia (Trailer)

 

Erst in den späten 1930er Jahren begann sich die Liga zu konsolidieren (bis dahin waren 51 Teams de facto in Konkurs gegangen) und eine Profiliga nicht nur auf dem Papier darzustellen – die Einführung eines Championship Games machte sich bezahlt. Auch wenn Heisman Gewinner Jay Berwinger 1936 im ersten Draft als erster Pick aufgrund unterschiedlicher Gehaltsvorstellungen noch darauf verzichtete für Chicago (und in der Folge jemals professionell) zu spielen, welche die Verhandlungsrechte von den ursprünglich wählenden Philadelphia Eagles bekamen.

Nach dem zweiten Weltkrieg nahm die Liga so richtig Fahrt auf. Zunächst wurden von den L.A. Rams zum ersten Mal zwei schwarze Spieler unter Vertrag genommen, kurz darauf folgte ein regelmäßiger TV-Vertrag. 1956 organisierten sich schließlich auch die Spieler in der NFL Players Association. Keine Sekunde zu früh, denn das NFL Championship Game 1958 wird allgemein als Wachablöse von College zum Profi-Football betrachtet. 45 Millionen Menschen sahen im TV (obwohl der Großraum New York City wegen einer NFL Regel der Übertragung nicht beiwohnen durfte) wie die Baltimore Colts die NY Giants nach Overtime 23-17 schlugen (bis heute die einzige OT in einem Finalspiel). Beeindruckend war insbesondere der „erste 2-Minute-Drill“, angeführt von Colts-QB Johnny Unitas, welcher den Sieg brachte – dies faszinierte die Zuschauer und der Aufstieg nahm seinen Lauf.

Die im Folgejahr als Konkurrenz gegründete American Football League sprang auf den Zug auf und die acht Gründungsteams enttäuschten nicht, sondern überzeugten mit spektakulärem Offensivfootball. Dies führte letztlich zum sogenannten Merger, bei dem beide Ligen in einer aufgingen und die heutige Struktur der NFL mit National und American Football Conference festgelegt wurde. Dabei wurden nicht nur die Teams zusammengeführt, von der AFL wurden auch andere Punkte übernommen (z.B. der 14 Spiele Grunddurchgang oder Spielernamen auf den Jerseys). Nach der Regular Season 1966 spielten die Gewinner beider (noch separaten) Ligen im AFL-NFL World Championship Game den Sieger aus (erstmals im Jänner 1967) – dieses Spiel wurde bei der dritten Austragung in Super Bowl umbenannt. Ab 1970 kam es dann zu einer gemeinsamen Liga mit übergreifendem Spielplan.

Allgemein war die NFL (NFC) sportlich besser eingeschätzt und gewann mit den Green Bay Packers auch ein Vertreter dieser Teams die ersten beiden Super Bowls. Spätestens mit dem Gewinn von Super Bowl III durch die (AFL) New York Jets (Broadway Joe Namath garantierte vorab damals den Gewinn) war die sportliche Gleichwertigkeit belegt – 11 der nächsten 15 Spiele entschied die AFC für sich, bevor eine 13-jährige Durststrecke folgte.

 

 Joe Namath, 1965 (c) Wikipedia Joe Namath, 1965 (c) Wikipedia

 

Der Merger führte letztlich auch dazu, dass sich die teilnehmenden Teams stabilisierten und es zu keiner Fluktuation mehr kam. Einzig wurden immer einmal wieder Franchises von einer in eine andere Stadt verlegt (Hintergrund sind hier zumeist finanzielle Anreize, v.a. in Form von neuen Stadien). Beispiele hierfür sind etwa die Baltimore Colts, die nunmehr in Indianapolis zu Hause sind, oder die Oakland Raiders, die zwischendurch in Los Angeles spielten, aktuell aber wieder in Oakland sind, wobei es jetzt erneut Pläne für einen Umzug nach L.A. gibt.

Ein weiterer Grund für Umstrukturierungen sind Team-Neugründungen, sogenannte Expansions. Aber dazu mehr im zweiten Teil, wo es um die aktuelle Divisionsstruktur und die aktuellen Topteams der NFL geht.

26 January 2015

Die Contender im College Football

Posted in College Football

Von 128 College Football Programmen das Beste im Land zu sein, ist keine leichte Aufgabe. Dennoch schaffen es Jahr für Jahr meist die gleichen Teams ins Ranking. Dabei dürfen es sich die alteingesessenen Unis nicht allzu gemütlich machen, denn inzwischen zeigen auch kleine Colleges, dass man auch mit weniger finanziellen Ressourcen dank innovativen Herangehensweisen im elitären großen Kreis mitspielen kann. Ein Versuch, die Top Teams der letzten Jahre darzustellen.

Fragt man College Football Experten nach dem besten Team der vergangenen Saisonen, wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit als Antwort die Universität von Alabama erhalten. Seit Coach Nick Saban 2007 beim SEC West Team das Ruder übernommen hat, steht eine 86-16 Bilanz zu Buche – inklusive drei National Titles und drei SEC Championships. Dies ist insofern noch beeindruckender, wenn man bedenkt, dass dem Team durch den NFL Draft jährlich die Topspieler abhandenkommen (vergleichsweise mehr als bei allen anderen Teams). Bekannt sind die Crimson Tide vor allem wegen ihrer dominanten Defense, die in allen Teilen Profi-Kaliber zu bieten hat.


 

Bis vor kurzem noch einer der Hauptgegner von Alabama in der benachbarten SEC East waren die Florida Gators (Tim Tebow anyone?), die allerdings in den letzten vier Jahren eher unter „ferner liefen“ unterwegs waren. Insgesamt handelt es sich aber durchaus um ein Top Programm, welches wieder bessere Zeiten sehen und an die Titel von 2006 und 2008 anschließen sollte.

 Tim Tebow
Tim Tebow bei den Florida Gators (c) espn.go.com

Sonst bietet die gesamte South-East Conference ein Who is Who des College Footballs. Mit den Auburn Tigers (Meister 2010 mit Cam Newton und große Rivalität mit Alabama in der Iron Bowl) und den Louisiana State University (LSU) Tigers (SEC Gewinner 2011) ist die die West-Division aktuell tendenziell sportlich besser einzuschätzen, auch weil dieses Jahr die Ole Miss Rebels und Mississippi State Bulldogs überraschend ganz oben mitmischten. Mit den Tennessee Volunteers (Uni von einem gewissen Peyton Manning), Georgia Bulldogs, Arkansas Razorbacks, Missouri Tigers oder South Carolina Gamecocks gibt es aber einen Haufen Teams, die Jahr für Jahr dafür sorgen, dass man in der SEC nur mit perfekten Spielen jede Woche ungeschlagen bleibt.

 

Nicht nur dieses Jahr an Nummer 2, sondern seit einigen Jahren mit für den Aufschwung der Pac-12 mitverantwortlich sind die Oregon Ducks. Während die Crimson Tide bzw. die SEC hauptsächlich durch starke Defense bekannt ist, wird im Nordwesten durch schnellen Offensiv-Football der Erfolg gesucht und gefunden. Angefangen mit Chip Kelly (jetzt Philadelphia Eagles) haben die Ducks eine High Speed Offense in Rollen gebracht, die mit Marcus Mariotta schließlich ihren perfekten QB gefunden hat. Pac-12 Championships 2009-2011 und 2014 (12 +13 nur aufgrund des Tie-Breakers hinter Stanford) sprechen eine deutliche Sprache.

 

Klassischer Big Player am Pazifik sind aber die USC Trojans aus Southern California, die in der Vergangenheit reihenweise Pac-12 Titel, National Championships und Heisman Trophies abgestaubt haben. In den letzten Jahren musste man sich aber eher damit begnügen einzelne Top Talente in den Draft abzugeben als mit Teamleistungen aufzuzeigen. Irgendwie läuft es derzeit so gar nicht rund, nicht zuletzt wohl auch aufgrund des enormen Mediendrucks in L.A. – mangels NFL Franchise stehen die Trojans nämlich ganz oben in der Berichterstattung.

 

Aktuell wohl schärfster Rivale der Ducks sind die Stanford Cardinal (Achtung: nicht Cardinals!), die in ihrem Recruiting nicht nur auf sportliche Athletik sondern auch akademische Leistung wertlegen (Vorzeigesportler der letzten Zeit ist hier Andrew Luck). Der Angstgegner Oregons waren die Arizona Wildcats, die im Championship Game nach zuvor zwei Siegen jedoch keine Chance hatten. Der Lokalrivale Oregon State Beavers kocht eher auf kleinerer Flamme. Im Süden gibt es mit den UCLA Bruins und den Arizona State Sundevils weitere ständige (landesweite) Top 25 Programme.

 Andrew Luck
Andrew Luck bei den Stanford Cardinal (c) www.stanforddaily.com

Traditionelle Power-Conference war jahrzehntelang die Big Ten im Mittleren Westen rund um Michigan und Ohio. Mit den Ohio State Buckeyes hat es zwar ein Vertreter der Liga (nicht ganz unumstritten) ins neue Playoff-Halbfinale geschafft, viel Chancen werden dem Team um Erfolgscoach Urban Meyer (früher Florida) aber gegen Alabama nicht eingeräumt. Der letzte Nationale Titel liegt mit 2002 weit zurück, das BCS Game wurde 2007 und 2008 klar verloren und zuletzt war man sogar aufgrund von Sanktionen iZm Verfehlungen von Coach Jim Tressel von den Bowl Games ausgeschlossen. Noch schlechter schaut es beim großen Rivalen aus Michigan aus. Die Wolverines (Top Alumni Tom Brady und „Most All-Time Wins in College Football History“) sind seit Jahren unter der Wahrnehmungsgrenze, was für dieses geschichtsträchtige Team wohl nur schwer zu verkraften ist – trotzdem strömen zu den Spielen laufend knapp 110.000 Menschen ins größte Stadion der USA. Die Rivalry mit den Buckeyes ist immense und führt dazu, dass etwa Banken in Michigan am Columbus Day (ein US-Feiertag) geöffnet haben (Columbus ist die Hauptstadt von Ohio) oder am OSU Campus sämtliche „M“ auf Tafeln etc. überklebt sind (ein gelbes „M“ ist das Logo von Michigan).

Darüber hinaus hat die B1G aktuell nicht viel zu bieten. Die Michigan State Spartans haben sich in der Conference und in den Top 10 seit einigen Jahren etabliert, für den ganz großen Wurf scheint es jedoch einfach nicht zu reichen, da letztlich die Konstanz fehlt. Zur 2011 dazu gekommenen University of Nebraska-Lincoln gleich noch unten.

 

Im Football-verrückten Texas und Nachbarstaat Okolahoma tummeln sich die Teams in der Big 12. In den letzten Jahren geben dort aber nicht die traditionellen Kräfte wie vor allem die Texas Longhorns (Charlie Strong hat hier von Mack Brown einen Scherbenhaufen übernommen, dessen Turnaround noch etwas dauern wird) oder die Oklahoma Sooners den Ton an, sondern TCU Horned Frogs (Texas Christian University), Baylor Bears und die Kansas State Wildcats (seit 1989 mit Langzeit-Coach Bill Snyder, nach dem bereits jetzt das örtliche Stadion benannt ist), wobei vor allem die ersten beiden Unis verhältnismäßig klein sind und deren Erfolg im großen Geschäft umso erstaunlicher ist. Die Texas Tech Red Raiders und Oklahoma State Cowboys sind zwar immer wieder für Überraschungen gut, zu mehr reicht es aber meist nicht.

 

Aus der Atlantic Coast Conference sind die Florida State Seminoles (aktueller Run von 28 Siegen in Folge) und die etwas in der Versenkung verschwundenen Miami Hurricanes (The U) hervor zu heben. Erstere stellen rund alle zehn Jahre in landesweites Topteam auf die Beine. Letztere wurden in den 1990ern als Bad Boys bekannt und stellten den Football athletisch auf ein neues Niveau – zuletzt aber maximal Mittelmaß.

 Kelvin Benjamin
Kelvin Benjamin bei den Florida State Seminoles (c) www.foxsports.com

Abschließen möchte ich mit zwei Teams, die rein historisch als zwei der besten Programme in der langen Geschichte des College Football gelten dürfen.

Die Nebraska Cornhuskers von 1995 gelten als bestes Team aller Zeiten. In diese Zeit des legendären Coaches Tom Osborne (insgesamt in 25 Jahren 255 Siege) fielen drei National Championships (94, 95, 97) und ein 60-3 Record zwischen 1993-97. Doch auch früher in der Geschichte wurden 1970 und 1971 Back-to-Back National Titles eingefahren. Die Fan Base ist aufgrund eines meilenweit entfernten NFL-Teams ungebrochen und verzeiht auch den Rückfall in die aktuelle Mittelmäßigkeit, welche versucht wurde mit dem Wechsel von der Big 12 in die Big Ten 2011 abzuschütteln – ein weiter Weg, auch aufgrund des aktuellen Coaching-Wechsels.

Ein anderes Team, das ebenfalls von seiner großen Geschichte lebt, sind die Notre Dame Fighting Irish aus South Bend, Indiana, die nach wie vor keiner Conference angehören (Independent School), sich aber der aktuellen Entwicklung nicht ganz verschließen konnten und ein Assoziationsabkommen mit der ACC geschlossen haben (u.a. eine fixe Zahl an Spielen gegen Teams dieser Liga). 11 National Championships sprechen eine klare Sprache (dazu noch 11 Unclaimed Titles, bei denen die Uni ebenfalls in manchen Umfragen auf Platz 1 gerankt wurde) – dazu 7 Heisman Trophy Winners und 97 All-Americans (= „All Stars“, die meisten aller Teams) sowie ein All-Time Sieg-Niederlagen-Verhältnis von 0,733 (Top unter allen Teams). 2012 schien der Sprung zurück an die Spitze zum Greifen nahe, doch wurde man im BCS National Championship Game von Alabama relativ unsanft auf den Boden der Realität zurückgeholt. Den Fans ist’s egal: Seit 1966 spielen die Irish vor ausverkauftem Haus (mit Ausnahme eines Spiels im November 1973…)!

 

Dies ist klarerweise nur eine subjektive Auswahl von Teams. Welches Team fehlt hier eurer Meinung nach? Schickt uns eure Meinung.

12 January 2015

Am Anfang war...

Written by Cons #11, Posted in College Football

…der College Football. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann eine Reise, die in einer von unzähligen Linien nicht zuletzt auch in der Gründung der Flag League Austria endete. Grund genug um einen kleinen Einblick in die Entstehung des Footballs zu geben. Ein passender Einstieg auch deshalb, weil durch die Einführung des neuen College Football Playoff Systems aktuell eine gravierende Änderung im Gange ist. Nicht zuletzt war gerade das Finale der Bowl Season, nämlich das National Championship Game – aber dazu später mehr.

Beim ersten Kick-Off am 6.11.1869 in New Brunswick, New Jersey, standen sich mit den Rutgers Queensman (heute Scarlet Knights) und New Jersey Tigers (heute Princeton) zwei Universitätsauswahlen gegenüber. Nach heutigem Maßstab hatte das Spiel auf den ersten Blick allerdings noch nicht viel mit American Football zu tun. Vielmehr handelte es sich um eine Mischung aus Fußball, Rugby und weiteren Elementen, die letztlich zu einer eigenen Sportart führten. Auch wenn das Ergebnis mit 6:4 für Rutgers nicht sonderlich spektakulär anmutet und es aus Regelgründen keine 50y-Touchdown-Pässe geben konnte, war es der Startschuss für ein Spiel, welches wir heute kennen und lieben.


 

Im folgenden Jahrzehnt wurde Schritt für Schritt das Regelwerk festgeschrieben und es entwickelten sich langsam aber sicher die Teams und Rivalitäten, die wir heute kennen. Walter Camp war hier eine zentrale Figur – ihm sind heute selbstverständliche Regeln wie 11 Spieler pro Team, Felddimensionen, Snap vom Center zum Quarterback oder die Punktevergabe zu verdanken.

Das Spiel fand die ersten zwanzig Jahre nur an den Colleges statt, von Profisport oder gar NFL konnte keine Rede sein – zumindest nicht in einer größeren, organisierten Form. Noch über hundert Jahre vor der NFL International Series spielte Harvard gegen McGill 1874 in Montreal das erste Spiel außerhalb der Vereinigten Staaten. Anfangs wurde auf Laufspiel gesetzt. Dies hatte den einfachen Grund, dass der Forward Pass regelwidrig war.

Aufgrund einer ausufernden Verletzungsflut (und über 300 daraus resultierenden Todesfällen), die hauptsächlich der „Rudelbildung“ bei den Laufspielzügen und der sogenannten Flying Wedge (de facto eine Menschenmauer, die für den Ballträger vorblockt) geschuldet war, kam es Anfang des 20. Jahrhunderts dann zu einer entscheidenden Regeländerung, deren vorrangige Intention es war, das Spiel zu öffnen und weitläufiger zu machen: die Einführung des Vorwärtspasses. Selbstverständlich brachte diese Änderung nicht gleich eine Menge an Top-Passern hervor, die Wurfbewegungen waren alles andere als ausgereift. An der Universität von St. Louis gab es jedoch mit Coach Eddie Cochems einen Mann, der jedoch das Passspiel revolutionierte und der dortige QB Bradbury Robinson war auch der Spieler in der Geschichte, der einen Forward Pass warf – dieser war allerdings incomplete (später im gleichen Spiel gelang aber dann die erste Completion für 20 yards). Durch den doch relativ schnell eintretenden Erfolg bei den Vorreitern, verbreitete sich das Passspiel immer weiter und wurde fester Bestandteil der Playbooks.

Während sich der Football zu Beginn eher an den Eliteuniversitäten der Ostküste – wie Princeton, Harvard, Yale oder Dartmouth – etablierte, dehnte er sich um die Jahrhundertwende vor allem im Süden und Südwesten des Landes deutlich aus. Seit 1906 agierte zudem eine Vorläuferorganisation der NCAA als landesweiter Verband, der die entsprechenden Strukturen schuf und so auch wesentlichen Beitrag dazu lieferte, dass der College Football bis nach dem zweiten Weltkrieg deutlich populärer war als der Profisport. Ein weiterer Grund lag in den sich schnell etablierenden Rivalitäten und Traditionen. Hierfür ist das Tournament East-West Football Game, welches erstmals 1902 ausgetragen wurde und heute besser als Rose Bowl Game bekannt ist. Die sogenannten Bowl Games waren Vergleiche zwischen den einzelnen Conferences, die bis in die 1970er mit acht Stück noch ein echtes sportliches Kriterium darstellten – die heute 39 Bowls sind dagegen etwas inflationär und mehr vom Vermarktungsgedanken geprägt.

Bezeichnend ist auch, dass das erste im TV übertragene Football-Spiel auch eine College-Partie war: 1939 übertrug NBC das Spiel zwischen den Fordham Rams und den Waynesburg Yellow Jackets aus New York. Bis nach dem Ende des zweiten Weltkriegs musste man sich an den Universitäten aufgrund der erst zaghaften Versuche von Profiligen keine Sorgen um Medien- und Zuschaueraufmerksamkeit machen. Dies sollte sich jedoch danach ändern.

Wenn man einen Zeitpunkt für die Popularitätsablöse des College Footballs festlegen möchte, wäre dies wohl das NFL Championship Game 1958, welches den Profisport aufgrund der TV-Vermarktung endgültig auf die Überholspur brachte und zum großen Geschäft machte. Nichts desto trotz erfreut sich der College Sport nach wie vor einer riesigen Beliebtheit – sowohl parallel zur NFL, als auch natürlich dort, wo die nächste Franchise etwas weiter weg ist. Volle Stadien mit über 70.000 Besuchern sind in der Division I - FBS keine Seltenheit.

Während die Coaches auf den Universitäten hochbezahlte Verträge haben, gilt für die Spieler bis heute der Amateurstatus, der vor allem in den letzten Jahren einerseits wachsende Kritik erfuhr und andererseits die Verfahren wegen Übertretungen (Spieler verkaufen Autogramme oder ihre Championship Ringe an Souvenirhändler etc.) zunehmen – es vergeht kein Jahr, in dem nicht Geschichten über Zahlungen unter der Hand die Runde machen.

 

Zum organisatorischen Aufbau und dem neuen College Football Playoff System gibt’s mehr im nächsten Blogpost.

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