26 January 2015

Die Contender im College Football

Posted in College Football

Von 128 College Football Programmen das Beste im Land zu sein, ist keine leichte Aufgabe. Dennoch schaffen es Jahr für Jahr meist die gleichen Teams ins Ranking. Dabei dürfen es sich die alteingesessenen Unis nicht allzu gemütlich machen, denn inzwischen zeigen auch kleine Colleges, dass man auch mit weniger finanziellen Ressourcen dank innovativen Herangehensweisen im elitären großen Kreis mitspielen kann. Ein Versuch, die Top Teams der letzten Jahre darzustellen.

Fragt man College Football Experten nach dem besten Team der vergangenen Saisonen, wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit als Antwort die Universität von Alabama erhalten. Seit Coach Nick Saban 2007 beim SEC West Team das Ruder übernommen hat, steht eine 86-16 Bilanz zu Buche – inklusive drei National Titles und drei SEC Championships. Dies ist insofern noch beeindruckender, wenn man bedenkt, dass dem Team durch den NFL Draft jährlich die Topspieler abhandenkommen (vergleichsweise mehr als bei allen anderen Teams). Bekannt sind die Crimson Tide vor allem wegen ihrer dominanten Defense, die in allen Teilen Profi-Kaliber zu bieten hat.


 

Bis vor kurzem noch einer der Hauptgegner von Alabama in der benachbarten SEC East waren die Florida Gators (Tim Tebow anyone?), die allerdings in den letzten vier Jahren eher unter „ferner liefen“ unterwegs waren. Insgesamt handelt es sich aber durchaus um ein Top Programm, welches wieder bessere Zeiten sehen und an die Titel von 2006 und 2008 anschließen sollte.

 Tim Tebow
Tim Tebow bei den Florida Gators (c) espn.go.com

Sonst bietet die gesamte South-East Conference ein Who is Who des College Footballs. Mit den Auburn Tigers (Meister 2010 mit Cam Newton und große Rivalität mit Alabama in der Iron Bowl) und den Louisiana State University (LSU) Tigers (SEC Gewinner 2011) ist die die West-Division aktuell tendenziell sportlich besser einzuschätzen, auch weil dieses Jahr die Ole Miss Rebels und Mississippi State Bulldogs überraschend ganz oben mitmischten. Mit den Tennessee Volunteers (Uni von einem gewissen Peyton Manning), Georgia Bulldogs, Arkansas Razorbacks, Missouri Tigers oder South Carolina Gamecocks gibt es aber einen Haufen Teams, die Jahr für Jahr dafür sorgen, dass man in der SEC nur mit perfekten Spielen jede Woche ungeschlagen bleibt.

 

Nicht nur dieses Jahr an Nummer 2, sondern seit einigen Jahren mit für den Aufschwung der Pac-12 mitverantwortlich sind die Oregon Ducks. Während die Crimson Tide bzw. die SEC hauptsächlich durch starke Defense bekannt ist, wird im Nordwesten durch schnellen Offensiv-Football der Erfolg gesucht und gefunden. Angefangen mit Chip Kelly (jetzt Philadelphia Eagles) haben die Ducks eine High Speed Offense in Rollen gebracht, die mit Marcus Mariotta schließlich ihren perfekten QB gefunden hat. Pac-12 Championships 2009-2011 und 2014 (12 +13 nur aufgrund des Tie-Breakers hinter Stanford) sprechen eine deutliche Sprache.

 

Klassischer Big Player am Pazifik sind aber die USC Trojans aus Southern California, die in der Vergangenheit reihenweise Pac-12 Titel, National Championships und Heisman Trophies abgestaubt haben. In den letzten Jahren musste man sich aber eher damit begnügen einzelne Top Talente in den Draft abzugeben als mit Teamleistungen aufzuzeigen. Irgendwie läuft es derzeit so gar nicht rund, nicht zuletzt wohl auch aufgrund des enormen Mediendrucks in L.A. – mangels NFL Franchise stehen die Trojans nämlich ganz oben in der Berichterstattung.

 

Aktuell wohl schärfster Rivale der Ducks sind die Stanford Cardinal (Achtung: nicht Cardinals!), die in ihrem Recruiting nicht nur auf sportliche Athletik sondern auch akademische Leistung wertlegen (Vorzeigesportler der letzten Zeit ist hier Andrew Luck). Der Angstgegner Oregons waren die Arizona Wildcats, die im Championship Game nach zuvor zwei Siegen jedoch keine Chance hatten. Der Lokalrivale Oregon State Beavers kocht eher auf kleinerer Flamme. Im Süden gibt es mit den UCLA Bruins und den Arizona State Sundevils weitere ständige (landesweite) Top 25 Programme.

 Andrew Luck
Andrew Luck bei den Stanford Cardinal (c) www.stanforddaily.com

Traditionelle Power-Conference war jahrzehntelang die Big Ten im Mittleren Westen rund um Michigan und Ohio. Mit den Ohio State Buckeyes hat es zwar ein Vertreter der Liga (nicht ganz unumstritten) ins neue Playoff-Halbfinale geschafft, viel Chancen werden dem Team um Erfolgscoach Urban Meyer (früher Florida) aber gegen Alabama nicht eingeräumt. Der letzte Nationale Titel liegt mit 2002 weit zurück, das BCS Game wurde 2007 und 2008 klar verloren und zuletzt war man sogar aufgrund von Sanktionen iZm Verfehlungen von Coach Jim Tressel von den Bowl Games ausgeschlossen. Noch schlechter schaut es beim großen Rivalen aus Michigan aus. Die Wolverines (Top Alumni Tom Brady und „Most All-Time Wins in College Football History“) sind seit Jahren unter der Wahrnehmungsgrenze, was für dieses geschichtsträchtige Team wohl nur schwer zu verkraften ist – trotzdem strömen zu den Spielen laufend knapp 110.000 Menschen ins größte Stadion der USA. Die Rivalry mit den Buckeyes ist immense und führt dazu, dass etwa Banken in Michigan am Columbus Day (ein US-Feiertag) geöffnet haben (Columbus ist die Hauptstadt von Ohio) oder am OSU Campus sämtliche „M“ auf Tafeln etc. überklebt sind (ein gelbes „M“ ist das Logo von Michigan).

Darüber hinaus hat die B1G aktuell nicht viel zu bieten. Die Michigan State Spartans haben sich in der Conference und in den Top 10 seit einigen Jahren etabliert, für den ganz großen Wurf scheint es jedoch einfach nicht zu reichen, da letztlich die Konstanz fehlt. Zur 2011 dazu gekommenen University of Nebraska-Lincoln gleich noch unten.

 

Im Football-verrückten Texas und Nachbarstaat Okolahoma tummeln sich die Teams in der Big 12. In den letzten Jahren geben dort aber nicht die traditionellen Kräfte wie vor allem die Texas Longhorns (Charlie Strong hat hier von Mack Brown einen Scherbenhaufen übernommen, dessen Turnaround noch etwas dauern wird) oder die Oklahoma Sooners den Ton an, sondern TCU Horned Frogs (Texas Christian University), Baylor Bears und die Kansas State Wildcats (seit 1989 mit Langzeit-Coach Bill Snyder, nach dem bereits jetzt das örtliche Stadion benannt ist), wobei vor allem die ersten beiden Unis verhältnismäßig klein sind und deren Erfolg im großen Geschäft umso erstaunlicher ist. Die Texas Tech Red Raiders und Oklahoma State Cowboys sind zwar immer wieder für Überraschungen gut, zu mehr reicht es aber meist nicht.

 

Aus der Atlantic Coast Conference sind die Florida State Seminoles (aktueller Run von 28 Siegen in Folge) und die etwas in der Versenkung verschwundenen Miami Hurricanes (The U) hervor zu heben. Erstere stellen rund alle zehn Jahre in landesweites Topteam auf die Beine. Letztere wurden in den 1990ern als Bad Boys bekannt und stellten den Football athletisch auf ein neues Niveau – zuletzt aber maximal Mittelmaß.

 Kelvin Benjamin
Kelvin Benjamin bei den Florida State Seminoles (c) www.foxsports.com

Abschließen möchte ich mit zwei Teams, die rein historisch als zwei der besten Programme in der langen Geschichte des College Football gelten dürfen.

Die Nebraska Cornhuskers von 1995 gelten als bestes Team aller Zeiten. In diese Zeit des legendären Coaches Tom Osborne (insgesamt in 25 Jahren 255 Siege) fielen drei National Championships (94, 95, 97) und ein 60-3 Record zwischen 1993-97. Doch auch früher in der Geschichte wurden 1970 und 1971 Back-to-Back National Titles eingefahren. Die Fan Base ist aufgrund eines meilenweit entfernten NFL-Teams ungebrochen und verzeiht auch den Rückfall in die aktuelle Mittelmäßigkeit, welche versucht wurde mit dem Wechsel von der Big 12 in die Big Ten 2011 abzuschütteln – ein weiter Weg, auch aufgrund des aktuellen Coaching-Wechsels.

Ein anderes Team, das ebenfalls von seiner großen Geschichte lebt, sind die Notre Dame Fighting Irish aus South Bend, Indiana, die nach wie vor keiner Conference angehören (Independent School), sich aber der aktuellen Entwicklung nicht ganz verschließen konnten und ein Assoziationsabkommen mit der ACC geschlossen haben (u.a. eine fixe Zahl an Spielen gegen Teams dieser Liga). 11 National Championships sprechen eine klare Sprache (dazu noch 11 Unclaimed Titles, bei denen die Uni ebenfalls in manchen Umfragen auf Platz 1 gerankt wurde) – dazu 7 Heisman Trophy Winners und 97 All-Americans (= „All Stars“, die meisten aller Teams) sowie ein All-Time Sieg-Niederlagen-Verhältnis von 0,733 (Top unter allen Teams). 2012 schien der Sprung zurück an die Spitze zum Greifen nahe, doch wurde man im BCS National Championship Game von Alabama relativ unsanft auf den Boden der Realität zurückgeholt. Den Fans ist’s egal: Seit 1966 spielen die Irish vor ausverkauftem Haus (mit Ausnahme eines Spiels im November 1973…)!

 

Dies ist klarerweise nur eine subjektive Auswahl von Teams. Welches Team fehlt hier eurer Meinung nach? Schickt uns eure Meinung.

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