12 January 2015

Am Anfang war...

Written by Cons #11, Posted in College Football

…der College Football. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann eine Reise, die in einer von unzähligen Linien nicht zuletzt auch in der Gründung der Flag League Austria endete. Grund genug um einen kleinen Einblick in die Entstehung des Footballs zu geben. Ein passender Einstieg auch deshalb, weil durch die Einführung des neuen College Football Playoff Systems aktuell eine gravierende Änderung im Gange ist. Nicht zuletzt war gerade das Finale der Bowl Season, nämlich das National Championship Game – aber dazu später mehr.

Beim ersten Kick-Off am 6.11.1869 in New Brunswick, New Jersey, standen sich mit den Rutgers Queensman (heute Scarlet Knights) und New Jersey Tigers (heute Princeton) zwei Universitätsauswahlen gegenüber. Nach heutigem Maßstab hatte das Spiel auf den ersten Blick allerdings noch nicht viel mit American Football zu tun. Vielmehr handelte es sich um eine Mischung aus Fußball, Rugby und weiteren Elementen, die letztlich zu einer eigenen Sportart führten. Auch wenn das Ergebnis mit 6:4 für Rutgers nicht sonderlich spektakulär anmutet und es aus Regelgründen keine 50y-Touchdown-Pässe geben konnte, war es der Startschuss für ein Spiel, welches wir heute kennen und lieben.


 

Im folgenden Jahrzehnt wurde Schritt für Schritt das Regelwerk festgeschrieben und es entwickelten sich langsam aber sicher die Teams und Rivalitäten, die wir heute kennen. Walter Camp war hier eine zentrale Figur – ihm sind heute selbstverständliche Regeln wie 11 Spieler pro Team, Felddimensionen, Snap vom Center zum Quarterback oder die Punktevergabe zu verdanken.

Das Spiel fand die ersten zwanzig Jahre nur an den Colleges statt, von Profisport oder gar NFL konnte keine Rede sein – zumindest nicht in einer größeren, organisierten Form. Noch über hundert Jahre vor der NFL International Series spielte Harvard gegen McGill 1874 in Montreal das erste Spiel außerhalb der Vereinigten Staaten. Anfangs wurde auf Laufspiel gesetzt. Dies hatte den einfachen Grund, dass der Forward Pass regelwidrig war.

Aufgrund einer ausufernden Verletzungsflut (und über 300 daraus resultierenden Todesfällen), die hauptsächlich der „Rudelbildung“ bei den Laufspielzügen und der sogenannten Flying Wedge (de facto eine Menschenmauer, die für den Ballträger vorblockt) geschuldet war, kam es Anfang des 20. Jahrhunderts dann zu einer entscheidenden Regeländerung, deren vorrangige Intention es war, das Spiel zu öffnen und weitläufiger zu machen: die Einführung des Vorwärtspasses. Selbstverständlich brachte diese Änderung nicht gleich eine Menge an Top-Passern hervor, die Wurfbewegungen waren alles andere als ausgereift. An der Universität von St. Louis gab es jedoch mit Coach Eddie Cochems einen Mann, der jedoch das Passspiel revolutionierte und der dortige QB Bradbury Robinson war auch der Spieler in der Geschichte, der einen Forward Pass warf – dieser war allerdings incomplete (später im gleichen Spiel gelang aber dann die erste Completion für 20 yards). Durch den doch relativ schnell eintretenden Erfolg bei den Vorreitern, verbreitete sich das Passspiel immer weiter und wurde fester Bestandteil der Playbooks.

Während sich der Football zu Beginn eher an den Eliteuniversitäten der Ostküste – wie Princeton, Harvard, Yale oder Dartmouth – etablierte, dehnte er sich um die Jahrhundertwende vor allem im Süden und Südwesten des Landes deutlich aus. Seit 1906 agierte zudem eine Vorläuferorganisation der NCAA als landesweiter Verband, der die entsprechenden Strukturen schuf und so auch wesentlichen Beitrag dazu lieferte, dass der College Football bis nach dem zweiten Weltkrieg deutlich populärer war als der Profisport. Ein weiterer Grund lag in den sich schnell etablierenden Rivalitäten und Traditionen. Hierfür ist das Tournament East-West Football Game, welches erstmals 1902 ausgetragen wurde und heute besser als Rose Bowl Game bekannt ist. Die sogenannten Bowl Games waren Vergleiche zwischen den einzelnen Conferences, die bis in die 1970er mit acht Stück noch ein echtes sportliches Kriterium darstellten – die heute 39 Bowls sind dagegen etwas inflationär und mehr vom Vermarktungsgedanken geprägt.

Bezeichnend ist auch, dass das erste im TV übertragene Football-Spiel auch eine College-Partie war: 1939 übertrug NBC das Spiel zwischen den Fordham Rams und den Waynesburg Yellow Jackets aus New York. Bis nach dem Ende des zweiten Weltkriegs musste man sich an den Universitäten aufgrund der erst zaghaften Versuche von Profiligen keine Sorgen um Medien- und Zuschaueraufmerksamkeit machen. Dies sollte sich jedoch danach ändern.

Wenn man einen Zeitpunkt für die Popularitätsablöse des College Footballs festlegen möchte, wäre dies wohl das NFL Championship Game 1958, welches den Profisport aufgrund der TV-Vermarktung endgültig auf die Überholspur brachte und zum großen Geschäft machte. Nichts desto trotz erfreut sich der College Sport nach wie vor einer riesigen Beliebtheit – sowohl parallel zur NFL, als auch natürlich dort, wo die nächste Franchise etwas weiter weg ist. Volle Stadien mit über 70.000 Besuchern sind in der Division I - FBS keine Seltenheit.

Während die Coaches auf den Universitäten hochbezahlte Verträge haben, gilt für die Spieler bis heute der Amateurstatus, der vor allem in den letzten Jahren einerseits wachsende Kritik erfuhr und andererseits die Verfahren wegen Übertretungen (Spieler verkaufen Autogramme oder ihre Championship Ringe an Souvenirhändler etc.) zunehmen – es vergeht kein Jahr, in dem nicht Geschichten über Zahlungen unter der Hand die Runde machen.

 

Zum organisatorischen Aufbau und dem neuen College Football Playoff System gibt’s mehr im nächsten Blogpost.

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Cons #11

Cons #11

Seit nunmehr rund zehn Jahren ist der Autor im Flag Football Sport aktiv und hat dabei fast alle nennenswerten Positionen bekleidet – sowohl auf als auch neben dem Platz. Noch länger verfolgt er die NFL und ist überdies seit einigen Jahren auch im College Football zu Hause.

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