AFL

05 April 2015

AFL Breakdown Week 2/2015

Written by Cons #11, Posted in AFL

AFL Breakdown Week 2/2015

Zwei Wochen nach dem Ligaauftakt waren die Swarco Raiders Tirol wieder in Wien zu Gast, um am zweiten Spieltag bei den Danube Dragons anzutreten. Auch diesmal war ein Ausgang des Spiels nicht absehbar, da man weder bei Grün noch bei Schwarz wusste, wie gut man aufgestellt war. Die Begegnung in Stadlau entwickelte sich etwas überraschend. Im Vorfeld sprach Dragons Headcoach Zivko noch von einem Spiel wie Rapid gegen Barcelona, es wurde dann doch eher etwas Richtung Rapid gegen Stadlau...



Die Vorzeichen für dieses Spiel sprachen keine klare Sprache. Aufgrund des Battle4Tirol Spiels am nächsten Tag reisten die Tiroler nicht mit der stärksten Besetzung an, die Wiener standen de facto mit einer vollkommen neuen Offense am Feld. So kamen auf beiden Seiten vorwiegend junge Spieler zum Zug und das war im ersten Viertel zu sehen - zu nervös wurde agiert und es lief kaum etwas zusammen. Die Beschreibung "Not gegen Elend" drängte sich nach einigen 3&outs quasi auf. Der leichten Favoritenrolle entsprechend gingen die Raiders dann doch schließlich in Führung, allerdings reichte es nur zu einem Field Goal. Drops und schnell gestoppte Läufe kennzeichneten den ersten Abschnitt, in dem sich sonst nicht viel tat. Die Completionrate sollte sich aber nicht mehr erholen und lag bei beiden Teams am Ende unter 50%.


Dabei machte Kyle Callahan einen besseren Eindruck auf der Spielmacherposition der Freibeuter als Shelton (etatmäßiger Starter), der geschont wurde. Er wirkte athletisch auf der Höhe und auch die Würfe waren passabel, zumal er mit einem Receivercorps agierte, welches kaum Erfahrung auf diesem Level mitbrachte. Demgegenüber waren bei seinem Gegenüber Alex Good (bekannt von seinen überzeugenden Auftritten für die Giants 2013) doch noch Anlaufschwierigkeiten spürbar - die Chemie zu den Passempfängern war zu Beginn stark verbesserungsfähig. Immerhin fehlten mit Thomas Haider und Georg Pongratz die beiden Topreceiver der Vorsaison. Auch in der Defense standen durchwegs unerfahrende Spieler am Feld, die bis auf AFL-Topinsidern wohl kaum jemandem bekannt waren. Auf Dragonsseite lag es daher vor allem an Nationalteam-LB Ramon Azim und Dauerbrenner Schahin Gholami die entsprechenden Akzente zu setzen.

Beim Personel und den Formations gab es keine wesentlichen Neuerungen zur Vorwoche. Die 4-Receiver Standard-Sets dominierten. Bei den Tirolern sah man aufgrund der Triple-Option immer wieder auch mal zwei Running Backs; die Dragons warfen gerne auch mal einen Tight End (11 Personel) ins Rennen, ebenso wurde mit empty Backfield agiert. Letzteres spielte durchaus in die Karten von Good, der hierdurch öfter einmal Platz für designte und spontane QB-Runs vorfand. Ende des ersten Viertels drehte sich dann das Momentum deutlich. Nach einem Raiders-Drop in der Endzone (wäre ein 10:0 gewesen), bekamen die Drachen den Ball. Und obwohl sie zu einem Punt gezwungen werden konnten, nahm das Pech für die Freibeuter seinen Lauf - der Punt sprang unglücklich, berührte einen Tiroler am Rücken und wurden von den Dragons in der Redzone recovert. Das zweite Viertel gehörte dann ganz den Wienern, die sogleich die Führung übernahmen. Angeführt von einem spielfreudigen Alex Good, der einen starken Eindruck hinterließ, fingen die jungen Receiver (rund um den früheren DB Matthias Rebl und Philipp Haun) nun die Bälle und RB Florian Pos fand immer wieder Lücken in der gegnerischen Front Seven. Selbst als die Raiders kurzzeitig auf 9:14 (XP geblockt) herankamen, düsten die Dragons binnen einer Minute zu einem weiteren Tochdown über das Feld und lagen zum Pausenpfiff 21:9 vorne.

Wie schon gegen die Vikings brachte der Kick-Off Return zu Beginn von Halbzeit zwei die Raiders in Scoring-Position und der folgende Besuch der Endzone ließ die Gäste noch einmal hoffen. Doch der erste Drive entpuppte sich eher als Strohfeuer, denn fortan waren es erneut die Gastgeber, die das Kommande auf beiden Seiten des Balles übernahmen und dabei mehr Vorteile aus den Fehlern auf Tiroler Seite zogen als umgekehrt. Und diese Fehler spielten sich vorwiegend in den Special Teams ab. Während es die Raiders nicht schafften, von guter Feldposition aufgrund vier out-of-bounds Kick-Offs (wohl Absicht um Returns zu vermeiden) zu profitieren, nutzten die Wiener erneut einen muffed punt der Raiders für relativ leichte sechs Punkte. Alex Good zeichnete für fünf der sechs grünen TDs verantwortlich (3 Pass, 2 Rush) und verzeichnete weder eine Interception noch ein Fumble (trotz der immer wieder unkontrollierten Snaps in alle Richtungen).


Alex Good hatte beim Post-Game Interview nach dem Debut Grund zu Jubeln

Erneut auffällig war die Tiroler Unterlegenheit an der Anspiellinie. Die D-Line brachte kaum Druck auf den QB und auch in der Laufverteidigung gingen wiederholt Löcher auf. Demgegenüber konnte auch die O-Line nicht überzeugen und Shanahan musste öfter improvisieren als im Lieb war. Für den früheren Munich Cowboy RB Gärtner gingen kaum Löcher auf und auch Simon Muigg fand kaum Platz für längere Läufe. Spätestens zu Beginn des vierten Viertels war der Dragonssieg dann mehr oder weniger in trockenen Tüchern und ein Aufbäumen der Raiders nicht erkennbar, sodass der Heimsieg am Ende zwar in dieser Deutlichkeit überraschte, aber aufgrund des Spiels durchaus verdient war.

Spannend dürfen nun die ersten Auftritte der Giants und Panthers erwartet werden, die ja vor der Saison auf Höhe der Dragons eingeschätzt wurden. Für die Drachen ein wichtiger Sieg in eine vom Umbau gekennezeichnete Saison. Für die Raiders hoffentlich ein Warnschuss zur rechten Zeit vor den Bug - bei 0:2 ist klarerweise noch nichts verloren, wenn man aber nicht langsam Siege einfahrt, wird es möglicherweise mit einer Playoffteilnahme noch eng. Und ein Playoff ohne Raiders ist einerseits dem Schreiber nicht in Erinnerung und anderseits keinesfalls im Sinne des österreichischen Footballs.

24 March 2015

AFL Breakdown Week 1/2015

Written by Cons #11, Posted in AFL

AFL Breakdown Week 1/2015

Am Sonntag standen sich zur Saisoneröffnung der Austrian Football League mit dem Titelverteidiger Vienna Vikings (erstmals nach vielen Jahren wieder ohne Sponsor im Namen) und den Swarco Raiders als ersten Herausforderer auch gleich die beiden Topfavoriten für das Spieljahr 2015 gegenüber. Rund 2.200 Besucher wollten sich das Spiel trotz widriger Verhältnisse nicht entgehen lassen – so viele wie gefühlt schon lange nicht mehr. Und für den passionierten Football Fan gab es im Vorfeld auch einige interessante Fragen um die Begegnung – einige wurden beantwortet, einige blieben offen und ein paar wird hier nachgegangen.


 

Das Ergebnis – soviel vorweg – dürfte bekannt sein: ein 26:21 Sieg für die Vikings, die im Vorfeld keinen Import verpflichteten (wohl aufgrund des Absprungs des Hauptsponsors). Der Endstand klingt spannend, das Spiel war es nicht wirklich – in Wahrheit hätte es auch früh im vierten Viertel schon deutlich entschieden sein können.

Frage Nummer eins galt natürlich dem neuen Starting Quarterback der Wiener Alexander Thury, der das Zepter vom zurückgetretenen Christoph Gross übernahm. Wer die Spiele im letzten Jahr sah, als Thury für den verletzten Gross einspringen musste, hatte schon so eine Idee, dass das Ganze gut funktionieren könnte, zumal mit einer gesamten Vorbereitung als designierter Starter im Gepäck.  Er spulte sein Programm ab und gab einen soliden Gamemanager mit ansprechenden Würfen. Die beiden Interceptions in der ersten Halbzeit hatten keine Konsequenzen und waren die Folge von zu viel Fokus auf den Receiver („stare down“). Die zweite Baustelle, die es auf Wiener Seite zu schließen galt, waren die Abgänge in der Defense. Und auch das fiel nicht großartig auf. Die Front Seven agierte wie gewohnt mit viel Druck und ließ ein Tiroler Laufspiel nicht wirklich aufkommen; in der Secondary gab es maximal noch ein paar Abstimmungsschwierigkeiten, aber keine Löcher.

Viel mehr Abstimmungsprobleme gab es da schon auf Seiten der Raiders – oder zumindest hoffentlich NUR Abstimmungsproblem. Von den mehreren Imports darf in der AFL nur einer aufs Feld – wenig überraschend war dies QB Sean Shelton, der Europaerfahrung aus Frankreich und Finnland mitbrachte. Noch war allerdings nicht viel von den Spielmacherqualitäten zu sehen: mehrere überworfene Bälle und relativ schnell gestoppte Runs. Andi Hofbauer fehlte klarerweise im Backfield an allen Ecken. Der zweite Drive brachte eine Interception, gefolgt von einem Fumble (nach langer Reception) im ersten Play des dritten Drives. Nach einem Turnover on Downs kam es schließlich noch zu einem zweiten Fumble bei einem QB-RB-Handoff. So war man im ersten Durchgang also von Punkten eher weit entfernt.

Während die Wikinger in der ersten Halbzeit ganze 44 Plays liefen, kamen die Freibeuter gerade einmal auf 24 Spielzüge (jeweils ohne Special Teams). Anders als die Raiders, die versuchten ein ausgeglichenes Run-Pass-Verhältnis aufzubauen, waren die Vikings zunächst sehr passlastig unterwegs (29 Pässe zu 14 Runs) – und warum nicht, der Luftangriff funktionierte ein ums andere Mal (die grds. gute Tiroler Secondary u.a. mit dem deutschen NT Spieler Enrico Martini hatte fast immer das Nachsehen). Einzig bei den Personel-Packages waren sich die Kontrahenten einig: bei mehr als 80% der Plays stand das 10-Personel auf dem Feld (also ein Running Back und vier Receiver). Dies verwundert aber nicht, da dies das schon in den letzten Jahren bevorzugte und vom College bekannte Personal ist. Hin und wieder wurde ein Tight End hinzugenommen, was aber auf das Playcalling keinen Einfluss hatte. 

Dass es am Ende raus noch halbwegs spannend wurde, lag einerseits daran, dass Violett in Halbzeit eins die Chancen nicht nutzte. Im zweiten Drive der Saison bei 0:0 kann man natürlich schon mal die sicheren drei Punkte nehmen, jedoch hätte sich beim vierten Versuch an der 2yd Linie durchaus auch ein Ausspielen angeboten – der Trend in der NFL zeigt ganz klar, dass man letztlich ganz erfolgreich nur mit aggressiven Playcalling wird. Sei’s drum, es folgte ein weiteres Field Goal und schließlich noch ein Touchdown zur 13:0 Halbzeitführung. Anderseits kam die Spannung auf, da die Raiders nach der Pause doch noch etwas zu Stande brachten, aber vor allem deshalb, weil die Vikings es Mitte des vierten Viertels nicht schafften mit einer 2-Possession-Führung im Rücken einen zeitfressenden Drive hinzulegen und sich anschließend noch mit unnötigen Defensestrafen (wie z.B. Late Hit) das Leben schwer machten.

Doch auch diese Geschenke wurden von den Tirolern nicht angenommen. Sie ließen auch ihr oft zitiertes Kämpferherz vermissen, auf der Sideline waren laufend hängende Köpfe zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass der teure Coaching Staff das Team wieder aufbauen kann und für die nächsten Aufgaben rüstet. Sich in der BIG 6 und Battle4Tirol nur auf die anderen Importspieler zu verlassen, könnte zu wenig sein und sich in der AFL jedenfalls rächen. Vor allem die Offense Line wirkte doch öfter instabil – die Wiener Kollegen andererseits gaben ihrem QB über das Spiel hinweg immer genug Zeit um die Pässe anzubringen. Hilfreich ist natürlich auch, dass das violette Receivercorps mit Postel, Bubik und Thaller die beste Gruppe Passempfänger der Liga zu sein scheint, während bei den Raiders vieles auf Mr. „Do-it-all“ Clemens Erlsbacher hinausläuft (WR, Returner, Kicker, Punter),  der das vermeintliche Second Half Comeback mit einem starken Kick-Off-Return und anschließendem TD-Catch zu Beginn der zweiten Hälfte einleutete. 

Alles in allem dürfte der Weg zum Titel auch dieses Jahr nur über die Vikings führen. Die Spannung in der Saison wird sich aber auf zwei Halbfinalspiele und die Austrian Bowl beschränken, denn mit vier Playoffplätzen bei fünf Teams hat der Grunddurchgang eine eher untergeordnete sportliche Bedeutung.

Sportunion Wien
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